Agile Worst Practices – Teil 2

1 Kommentar

So, nach einer kleinen Pause über die Feiertage und den Jahreswechsel begrüße ich Euch zum nächsten Post aus der Serie Agile Worst Practices, die ich mit diesem Post begonnen hatte. Wir bleiben bei den Worst Practices für das Team:

Team Worst Practice #2: Wer zu spät kommt, gewinnt

Beschreibung: Und noch ein Meeting. Und das jeden Tag! Als wenn ich nicht etwas Besseres zu tun hätte! Na gut, ich komme dann halt, auch wenn es nichts bringt, aber dadurch lasse ich mich nicht bei den wichtigeren Dingen, wie z.B. dem Entwickeln stören. Und wenn ich dann erst fünf Minuten später komme, dann ist das halt so. Und Zeit für eine neue Tasse Kaffee vorher muss sowieso sein, egal ob es dem Scrum Master nun passt oder nicht.

Konsequenz: Das Daily Scrum ist, wie es der Namen schon sagt, ein Meeting, das jeden Tag stattfindet und die Akzeptanz eines täglich stattfindenden Meetings steht und fällt extrem mit der Dauer des Meetings. Dabei kommt es auf Minuten an. 10-15 Minuten werden in der Regel problemlos akzeptiert, 20 Minuten werden schon kritisch und spätestens bei einer durchschnittlichen Dauer von 30 Minuten ist es mit der Akzeptanz ganz schnell vorbei.

Wenn die pünktlichen Teilnehmer durch das regelmäßige Warten auf einen chronischen Zuspätkommer dann immer erst 5-10 Minuten warten müssen, bevor das Meeting anfängt, dann dauert das Meeting für sie entsprechend länger, d.h. in der Regel zu lang. Zusätzlich ist ein tagtägliches Warten sehr entnervend, allein schon unter dem Gesichtspunkt, dass – wenn nicht dagegen gesteuert wird – die pünktlichen Team-Mitglieder durch das erzwungene Warten „bestraft“ werden, während der Zuspätkommer in seiner Handlungsweise bestätigt wird, da er als einziger nicht warten muss.

Die Konsequenz ist eine wachsende Unzufriedenheit bei den anderen Team-Mitgliedern für das Daily Scrum, die sich zur Unlust oder im Extremfall bis zur vollständigen Ablehnung auswachsen kann.

Maßnahmen: Wie bereits geschrieben ist ein regelmäßiges Zuspätkommen beim Daily Scrum absolut keine Option. Entsprechend ist es Aufgabe des Scrum Masters, da aktiv gegenzusteuern. Er muss auf einen pünktlichen Beginn bestehen und regelmäßige Zuspätkommer entsprechend verwarnen. Auch das Team darf den Zuspätkommer in die Pflicht nehmen, schließlich ist es auch ein Zeichen mangelnden (positiven) Respekts gegenüber den Kollegen, wenn man sie regelmäßig warten lässt.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist, pünktlich zu beginnen, zum einen, um der sinkenden Akzeptanz des Meetings entgegenzuwirken, zum anderen aber auch rein psychologisch, denn so werden die Pünktlichen für ihre Pünktlichkeit „belohnt“, während die Zuspätkommer das Nachsehen haben.

Sollte der Zuspätkommer überhaupt kein Einsehen zeigen, dann empfiehlt sich als Ultima Ratio darüber nachzudenken, die Person aus dem Team zu entfernen, da sie in dem Fall nüchtern betrachtet für ein agiles Team eigentlich nicht tragbar ist … aber so pathologische Fälle sollten hoffentlich nur selten vorkommen.

Zum Abschluss des Posts noch ein wenig Verlinkung:

  • Den Link zum ersten Post dieser Serie findet Ihr hier.
  • Den Link zum nächsten Post dieser Serie findet Ihr hier.

PS: Feedback, Ergänzungen, eigene Erfahrungen, usw. sind wie immer herzlich willkommen!

Uwe Friedrichsen

Uwe Friedrichsen ist ein langjähriger Reisender in der IT-Welt. Als Fellow der codecentric AG ist er stets auf der Suche nach innovativen Ideen und Konzepten. Seine aktuellen Schwerpunktthemen sind Skalierbarkeit, Resilience und die IT von (über)morgen. Er teilt und diskutiert seine Ideen regelmäßig auf Konferenzen, als Autor von Artikeln, Blog Posts, Tweets und natürlich gerne auch im direkten Gespräch.

Share on FacebookGoogle+Share on LinkedInTweet about this on TwitterShare on RedditDigg thisShare on StumbleUpon

Kommentare

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.