droidcon 2011

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Vom 23. bis 24. März fand in der Urania in Berlin die droidcon.2011 statt. Neben zahlreichen Ausstellern im Expo Bereich, die bislang teilweise noch nicht (in Deutschland) erhältliche Produkte, darunter z. B. Motorola mit dem Xoom Tablet und Android 3.0 “Honeycomb”, zum Anfassen und Anschauen anboten, gab es ein eng gepacktes Workshop-, Barcamp- und Konferenzprogramm.

Tag 1, Workshops und Barcamp

Für den ersten Tag mussten sich Besucher entscheiden, ob sie am Barcamp teilnehmen und sich in lockerer Runde mit Gleichgesinnten über erst am Morgen des gleichen Tages vereinbarte Themen austauschen wollten, oder ob einer der angebotenen Workshops attraktiver war.

Ich selbst habe am Workshop “Android Programmierung leichtgemacht – Eine Einführung” von Lars Vogel (aka @vogella) teilgenommen, der einen Einstieg in die Android Entwicklung für erfahrene Java Programmierer vermittelte.

Trotz relativ inhomogener Teilnehmerschaft verlief der Tag – nach anfänglichen Verzögerungen ob leichter organisatorischer Mängel – sehr produktiv. Die Mischung aus Vortragsanteilen mit Folien und praktischen Übungen am eigenen Rechner (und sofern vorhanden eigenen Telefon) war gut gewählt, zumal die vorbereiteten Übungen in mehreren Komplexitätsgraden vorlagen, so dass jeder sein eigenes Tempo ein wenig mitbestimmen konnte.

Parallel wurden weitere Workshops angeboten zu den Themen “Spieleentwicklung 101 – How I learned to love the Canvas” und “Android meets Design Thinking”, einer Einführung in die gleichnamige Methode mit Fokus auf die Anwendbarkeit für die Android Entwicklung.

Tag 2, Konferenz

Der zweite Tag bot “klassisches” Konferenzprogramm mit verschiedenen Hauptthemenblöcken wie z. B. Development, Games, Android Framework, Hardware und Augmented Reality.

Der Zeitplan war mit 30 Minuten pro Talk und ohne Raumwechselpausen sehr eng geschnitten, insbesondere, da innerhalb dieser halben Stunde auch noch zu Beginn der jeweilige Speaker sein Equipment aufbauen bzw. am Ende die Fragerunde durchführen musste. Im Endeffekt blieben somit nur etwa 20 Minuten für den eigentlichen Vortragsinhalt übrig, mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass oftmals nur an der Oberfläche von Themen gekratzt werden konnte, die eigentlich mehr Aufmerksamkeit und ein wenig mehr Tiefe verdient gehabt hätten.

Diese Kritik war während der Kaffee- bzw. Mittagspausen mehrfach in Gesprächen mit anderen Teilnehmern und Vortragenden zu hören und stellte m. E. den Hauptschwachpunkt in der Organisation dar, der bei der Planung zukünftiger Inkarnationen der droidcon berücksichtigt werden sollte. Andere kleinere Schwächen waren hauptsächlich eher handwerklicher Natur. So waren zwar die verschiedenen Themengebiete auf der Website und in der (ausschließlich für Android verfügbaren) Konferenzplaner-App farblich unterschieden, jedoch fanden sich diese Farben in der wirklichen Welt nicht wieder. Stattdessen musste man sich an den Raumnamen orientieren, die dafür umgekehrt nicht der Programm-Übersichtsseite zu entnehmen waren.

Keynotes

Der Konferenztag bot neben den Sessions einige Keynotes, von denen insbesondere die von Peter Meier von metaio zum Thema Augmented Reality und den über die bislang oftmals eher als Spielerei verschrienen Anwendungsmöglichkeiten positiv und interessant herausstach.

Umgekehrt war die im Anschluss an die Mittagspause stattfindende mit dem Titel “A new dimension of Android – 3D and more” von Erik Hellmann (Sony Ericsson) zwar anfänglich vielversprechend, fiel dann aber deutlich ab.

Zunächst wurden einige nachvollziehbare Beispiele für eigentlich nicht mehr zutreffende, aber dennoch weiterhin häufig verwendete Metaphern in der Gestaltung von Benutzeroberflächen und Interaktionsmodellen präsentiert. Eines davon ist die selbst in modernen Anwendungen allgegenwärtige Abbildung einer Diskette als Symbol zum Speichern eines Dokuments, obwohl inzwischen insb. jüngere Anwender diese nie selbst kennengelernt haben (und sich sogar das Konzept des “Speicherns” an sich auf dem Rückzug befindet).

In diesem Zusammenhang wurde die Frage gestellt, wie man derlei überholte Konzepte mithilfe der inzwischen verbesserten technischen Möglichkeiten wie z. B. touchbasierten Oberflächen, Sensoren usw. ablösen könnte. Dabei wurde der Fokus vor allem auf die Einsatzmöglichkeiten leistungsfähiger 3D Hardware in mobilen Geräten gelenkt.

Es folgten anschließend einige Beispiele, die die zuvor aufgestellte These, dass sich durch den Einsatz von 3D die Benutzererfahrung verbessern und effizienter gestalten ließe, exemplarisch belegen sollten.

Darunter waren die Darstellung eines Twitter-Feeds in Form einer sich im Raum verlaufenden 3D Liste – allerdings mit sogar vom Vortragenden zugestandener schlechterer Lesbarkeit, räumlich hintereinander angeordneten Widgets, sowie ein 3D Homescreen, auf dem Icons in Abhängigkeit von der Geräteausrichtung unterschiedlich beleuchtet wurden.

Grafisch waren alle gezeigten Beispiele definitiv ansehnlich und vermittelten einen Eindruck davon, wie performant mobile Geräte geworden sind, allein erschloss sich daraus noch nicht die zuvor angekündigte Verbesserung der Benutzererfahrung. Im letztgenannten Beispiel war bestenfalls ein Teil des Bildschirminhalts gut zu erkennen, während die Symbole außerhalb des Lichtscheins deutlich an Erkennbarkeit einbüßten.

Dennoch, ähnlich wie bei Augmented Reality zuvor, die enorm schnell wachsende Leistungsfähigkeit der Hardware wird mit Sicherheit auch im Bereich 3D früher oder später relevante neue Anwendungsfälle finden.

Fazit

Insgesamt habe ich einen positiven Eindruck von der droidcon behalten. Der Workshop war hervorragend, die Themen am Konferenztag interessant und abwechslungsreich.

Einzig das sehr straffe Zeitraster müsste meines Erachtens entzerrt werden, um die Veranstaltung weniger hektisch werden zu lassen – teilweise fiel die Wahl schwer, rechtzeitig den Raum zu wechseln oder zur Fragerunde zu bleiben.

Die anderen genannten kleineren organisatorischen Schwachpunkte traten hinter den Inhalten und der Möglichkeit, sich mit gleichgesinnten Entwicklern und Hardwareherstellern auszutauschen aber beinahe vollkommen in den Hintergrund. Noch dazu bin ich sicher, dass die entsprechende Kritik angenommen werden wird und sich die angesprochenen Punkte damit in Zukunft erledigen werden, was der Konferenz einen noch etwas professionelleren Anstrich verleihen dürfte.

Daniel Schneller beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit dem Entwurf und der Umsetzung komplexer Software- und Datenbanksysteme und ist unter anderem Autor des MySQL Admin Cookbook. Derzeit konzentriert er sich bei der CenterDevice GmbH als Princial Cloud Engineer auf OpenStack und Ceph basierte Cloudsoftware. Gemeinsam mit Lukas Pustina hat er die CloudFibel aus der Taufe gehoben.

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