Der Business Case für Architektur

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Vor diversen Jahren, als ich noch ein junger, recht enthusiastischer und unbedarfter Junior-Architekt war, hatte mich einmal ein Manager gefragt, wofür den dieser ganze Architekturkram gut sei und warum er Geld dafür ausgeben solle. Als Antwort hatte ich außer Schnappatmung und Stottern nicht so richtig viel zu bieten.

Ich versuchte es zunächst einmal mit so lapidaren Aussagen wie „Aber das braucht man doch…“. Schließlich hatte ich ja die ganze Zeit gelernt, dass Architektur in der IT etwas ganz Wichtiges sei und ich verstand gar nicht, wie jetzt plötzlich jemand auf die Idee kam, etwas so Wichtiges in Frage zu stellen. Diese Antwort brachte mir nur ein etwas gereiztes „Ich habe ‚Warum?‘ gefragt!“ ein. Verzweifelt zermarterte ich mir mein Gehirn nach einer besseren Antwort und versuchte es mit den Definitionen, die ich in meiner Panik noch zusammengebracht bekam: „Wir müssen doch die Bausteine, Schnittstellen und unserer Anwendung und deren Interaktionen konzipieren.“. „Das mag ja sein“ bekam ich als Antwort „aber was habe ich davon? Das kostet ja schließlich Geld, sowohl das Konzipieren als auch das Umsetzen. Spare ich damit dann Geld und wenn ja, wo? Oder kommt es mich billiger, wenn ich es gleich ganz weglasse?“

Nach ein wenig weiterem verzweifeltem Stammeln wurde ich dann in Unehren aus dem Büro des Managers entlassen. Es gibt nichts zu beschönigen: In dieser Diskussion bin ich ganz jämmerlich untergegangen. Aber ein Gutes hatte dieses Gespräch trotzdem: Ich habe angefangen, mir Gedanken über den Nutzen von Architektur zu machen, mich nicht nur zu fragen, was Architektur ist (darum dreht es sich bei fast allen Definitionen) oder wie man sie entwirft, sondern warum wir Architekturen brauchen, was also der Nutzen davon ist, wenn wir Architekturarbeit machen.

Das brachte mich im Laufe der Jahre zu einigen Überlegungen und Einsichten, die mir geholfen haben, mein Verständnis zum Thema Architektur immer weiter zu entwickeln. Auf der WJAX 2011 habe ich einige dieser Überlegungen in einen Vortrag gepackt und ausgehend von den Zielen und Tätigkeiten von Architektur verschiedene Ansätze beschrieben, den Wert und Nutzen von Architekturarbeit zu bestimmen. Hier sind die Folien dazu:

Außerdem hatte ich einen der in dem Vortrag beschriebenen Ansätze in einen Artikel gepackt, der im Business Technology Magazin erschienen ist. Den vollständigen Artikel können Sie hier auf unserer Website herunterladen.

Sowohl in dem Vortrag wie auch im Artikel geht es weniger um eine geschlossene Formel zur exakten Bestimmung des Werts einer Architektur (was sowieso nicht seriös möglich ist), sondern mehr um mögliche Ansätze mit ihren Chancen, Risiken und Grenzen. Und letztlich sind auch diese Ideen nur ein aktueller Stand meiner Überlegungen. Wie für die meisten von uns sind Architektur und letztlich die ganze IT für mich ein großes „Road Movie“, d.h. ich befinde mich auf einer ewigen, sehr spannenden Reise ohne festes Ziel und ohne den Anspruch auf eine „endgültige Wahrheit“ – macht aber auch nichts, denn wie im Road Movie ist m.E. auch in der IT der Weg das Ziel. Einen Moment stehenbleiben und verweilen ist erlaubt und auch immer wieder sinnvoll, um das Gesehene und Gelernte zu verarbeiten und neue Ideen daraus zu entwickeln, nur sollte man sich nie der Illusion hingeben, man wäre am Ziel der Reise angekommen und hätte die universelle Wahrheit gefunden … 😉

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Durchschauen der Folien und Lesen des Artikels. Und sollten Sie auf Ihrer persönlichen Reise Ihre eigenen Ideen und Einsichten entwickelt haben, so würde ich mich freuen, wenn Sie diese ebenfalls mit mir und den anderen Lesern dieses Posts teilen würden.

Uwe Friedrichsen

Uwe Friedrichsen ist ein langjähriger Reisender in der IT-Welt. Als Fellow der codecentric AG ist er stets auf der Suche nach innovativen Ideen und Konzepten. Seine aktuellen Schwerpunktthemen sind Skalierbarkeit, Resilience und die IT von (über)morgen. Er teilt und diskutiert seine Ideen regelmäßig auf Konferenzen, als Autor von Artikeln, Blog Posts, Tweets und natürlich gerne auch im direkten Gespräch.

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