Robot Framework IDE (RIDE) – Überblick

2 Kommentare

Die Robot Framework IDE (RIDE) ist die Entwicklungsumgebung für das Schreiben von automatisierten Tests mit dem Robot Framework. Das Robot Framework ist ein generisches Framework für die Testautomatisierung. Einen schnellen Überblick über das Robot Framework bietet die folgende Einführung.

RIDE liegt aktuell in der Version 0.40.1 vor und hat deutliche Fortschritte gemacht, seit den ersten Versionen. Diese waren streckenweise doch noch recht rudimentär. Ein kurzer Stolperstein war der Download, denn auf den alten RIDE-Seiten bei Google Code gibt es noch Downloads, welche jedoch nur bis zur Version 0.39.1 gehen. Man muss also den Weg zur neuen Download-Seite auf GitHub finden.

Der Download und die Installation auf einem Windows XP Rechner verlaufen problemlos. Nach dem ersten Start zeigt sich für einen altgedienten RIDE-Nutzer direkt eine der größten Änderungen. Es gibt einen neuen Reiter in dem es möglich ist, die geladene Test-Spezifikation in einem reinen Textmodus zu editieren. Aber eins nach dem anderen :).

Nach dem Laden einer Testsuite (oder alternativ eines ganzen Verzeichnisses mit mehreren Testsuites) werden diese in einer Baumstruktur auf der linken Seite angezeigt. Für jede Testsuite können darunter die einzelnen Testfälle ausgewählt und bearbeitet werden. Gut ist, dass eingebundene Ressource-Dateien direkt auch unter dem Punkt External Resources in der Baumstruktur angezeigt werden. Solange die Testsuite im Navigationsbaum auf der linken Seite ausgewählt ist, können hier die entsprechenden übergreifenden Aktionen konfiguriert werden. Hierzu zählen z. B. solche Punkte wie Suite-Setup und Suite-Teardown.

Ein großer Vorteil der Robot-IDE ist, dass hier mögliche Konfigurationen sichtbar werden, die einem bei der manuellen Erstellung möglicherweise nicht sofort bewußt sind. Zusammen mit der sehr guten und umfangreichen Robot Framework Dokumentation erleichtert dies den Einstieg schon enorm. Etwas gewöhnungsbedürftig ist immer noch die Benutzung der Eingabefelder. Nach einem Klick auf den Edit-Button wird ein neues Fenster für die Eingabe geöffnet. Dabei muß ein Teil der Test-Syntax in manchen Fällen direkt eingegeben werden, so z.B. die Trennung von Keyword und Argumenten mittels des Pipe-Symbols.

Hat man sich erstmal daran gewöhnt, geht auch das Editieren in diesen Feldern flüssig von der Hand. Für das Editieren von einzelnen Testfällen muss ein solcher im Navigationsbaum ausgewählt werden. Es ist dann möglich im oberen Bereich des Editors allgemeine Informationen zu diesem Testfall zu definieren, wie z.B. die Dokumentation und das Tagging. Unten ist der Testfall dann tabellarisch als eine Abfolge von Aufrufen von entsprechenden Keywords definiert. Hierbei steht in der ersten Spalte das Keyword und in den weiteren Spalten mögliche Parameter. Das ist intuitiv und wird durch weitere Features unterstützt, welche im folgenden beschrieben werden.

Jetzt bin ich aber erstmal neugierig auf den neuen Texteditor, also mal schnell auf den entsprechenden Reiter gewechselt. Im ersten Moment bin ich ein wenig überrascht, dass hier nicht das HTML-Format angezeigt wird, sondern das pure Textformat. Denn RIDE speichert Testsuites ja per Default im HTML-Format. Auf den zweiten Blick macht dies natürlich Sinn, denn wer möchte schon unbedingt HTML editieren. Intern werden die gesamten Datenstrukturen ohnehin unabhängig vom Format gehandhabt.

Bei einem kurzen Test scheint das Editieren im Textmodus und ein späteres Umschalten gut zu funktionieren. Die im Textmodus gemachten Änderungen werden in der grafischen Darstellung sofort sichtbar und umgekehrt. So wie man es auch erwartet.

Von einer IDE erwartet man natürlich noch weitere Unterstützung bei der Implementierung. Diese bietet RIDE schon seit längerem in der Form einer Autovervollständigung für Keywords durch Drücken von „CTRL-Space“ während der Eingabe. In einem leeren Feld wird dann die Liste aller Keywords – der eingebundenen Bibliotheken – angezeigt. Ansonsten diese, die mit den bereits getippten Zeichen beginnen. Dazu wird auch eine entsprechende Dokumentation der Keywords angezeigt (im folgenden Screenshot abgeschnitten).

Zu selbst geschriebenen Keywords (in eigenen Ressource-Dateien) kann auch mittels Doppelklick direkt gesprungen werden. Sehr positiv ist, dass mittels des Buttons Find Usages jetzt auch der umgekehrte Weg funktioniert und man sehen kann an welchen Stellen ein Keyword genutzt wird. Dieses Feature existiert übrigens auch für Keywords, welche aus Testbibliotheken eingebunden werden. Unter dem Menüpunkt „Tools -> Search Keywords“ ist es zunächst einmal möglich sich einen Überblick über alle eingebundenen Keywords zu verschaffen.

Wie bereits erwähnt gibt es auch hier die Möglichkeit zu suchen, an welchen Stellen ein Keyword genutzt wird. Dies kann insbesondere beim Refactoring sehr praktisch sein. Durch einen Klick auf das entsprechende Suchergebnis springt RIDE auch direkt an die entsprechende Stelle in der Implementierung.

Als letztes nun noch ein kurzer Blick auf den dritten Standard-Reiter mit der Überschrift Run. Hier ist es möglich seine gerade geöffneten Tests direkt auszuführen. Zur Auswahl stehen pybot, jybot oder ein individuelles Skript für die Ausführung. Bei kleineren Projekt reicht sicherlich die direkte Ausführung – z. B. mit pybot – für einen Komfortgewinn. Größere Projekte mit vielen Parametern haben meistens eigene Start-Skripte. Das diese hier eingebunden werden können ist eine gute Lösung. Die Textausgabe der Ausführung wird angezeigt, wobei im folgenden Screenshot alle Tests fehlgeschlagen sind :).

Mein persönliches Fazit ist, dass RIDE sich immer weiter zu einer vollständigen Entwicklungsumgebung für das Schreiben von Tests mit dem Robot Framework entwickelt. Man wird an vielen Stellen geführt und muss so nicht so häufig die Anleitung konsultieren. Insbesondere für nicht so technik-affine Benutzer ist RIDE ein gutes Tool. Für das andere Extrem gibt es immer noch die Möglichkeit die Tests in Eclipse und mit Maven zu schreiben :). Als RIDE-Benutzer kann man aber denke ich sehr gespannt sein, wie sich das Tool noch weiter entwickelt.

Thomas Jaspers

Langjährige Erfahrung in agilen Softwareprojekten unter Einsatz von Java-Enterprise-Technologien. Schwerpunkt im Bereich der Testautomatisierung (Konzepte und Open-Source Werkzeuge).

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Kommentare

  • Andreas Ebbert-Karroum

    Schöner Artikel,

    kommt der neue Texteditor auch mit der „BDD-Notation“ zurecht? Oder formatiert der grundlegend neu?

    Andreas

    • Thomas Jaspers

      Hi Andreas,

      Problem mit der BDD-Notation ist hier, dass es in der tabellarischen Ansicht der Testfälle meistens wenig Sinn ergibt. Dort steht dann z. B. „Verhalten | test2 | aktiv | ${EMPTY} | 12345“. Das Keyword „Verhalten“ ist wiederum als eine lange Abfolge von Keywords definiert, die wie folgt aussehen: „Es existiert ein Benutzer ${benutzer} mit Status ${Status}“. Das steht jeweils in einer Zelle, d.h. RIDE kann die Parameter nicht extrahieren.

      Im Texteditor von RIDE gehen ein paar Leerzeilen, die als Formatierung gedacht waren, verloren.

      Alles in allem denke ich immer noch, dass sich RIDE für den BDD-Stil nicht als erste Wahl anbietet ;-).

      – Thomas

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