Verwendung GPL-lizenzierter Komponenten in kommerziellen Projekten

21 Kommentare

Software, die unter der GNU General Public License lizenziert ist, ist freie Software, und alle Software, die auf GPL-lizenzierten Komponenten aufbaut, ist ebenso frei und muss ebenso unter der GPL lizenziert werden. Daher wird häufig angenommen, dass GPL-lizenzierte Software für kommerzielle Projekte ungeeignet ist. Die beiden meist genannten Mythen sind dabei:

  • Man darf keine Lizenzgebühren verlangen.
  • Der Quellcode des Projekts muss veröffentlicht werden.

Wenn diese Behauptungen wahr wären, wäre GPL-lizenzierte Software in der Tat ungeeignet für kommerzielle Projekte. Aber sie sind es nicht. Also, sehen wir uns die Lage genauer an.

Die Familie der GNU Lizenzen

Die Free Software Foundation hat eine Familie von Lizenzen publiziert. Die wichtigste davon ist die GNU General Public License. Aber es gibt auch die GNU Lesser General Public License und die GNU Affero General Public License. In diesem Blogbeitrag werden wir uns nur mit Version 3 der Lizenzen, der aktuellen Version also, beschäftigen. Die Links für die Lizenzen verweisen auf die englischsprachigen Originallizenztexte, weil es keine offiziellen Übersetzungen der Lizenztexte ins Deutsche gibt.

Die GNU General Public License

Die GPL gewährt dem Lizenznehmer eine Reihe von Rechten. Das einfachste ist das Recht, die Software zu benutzen. Der Lizenznehmer kann die Software aber auch analysieren. Dazu ist der Lizenzgeber verpflichtet, den Quellcode zur Verfügung zu stellen. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen. Zum Beispiel kann die Software zusammen mit dem Quelltext auf CD oder DVD übergeben werden. Oder der Quellcode kann auf einem öffentlich zugänglichen Webserver veröffentlicht werden.

Der Lizenznehmer hat das Recht, die Software weiter zu verteilen, ohne dass der Lizenzgeber dafür Gebühren verlangen darf. Weiter darf der Lizenznehmer die Software modifizieren oder in seinen eigenen Projekten einsetzen. Wenn er Software verteilt, die GPL-lizenzierte, unveränderte oder veränderte Komponenten beinhaltet, unterliegt auch sein eigenes Produkt der GPL. Daher hat auch jeder weitere Lizenznehmer alle Rechte, die die GPL gewährt, wie den Zugang zum Quellcode oder die Freiheit, das Produkt zu modifizieren oder zu verteilen.

Die GPL enthält keine Passage, die aussagte, dass keine Lizenzgebühren verlangt werden dürften. Vielmehr findet sich in der GPL FAQ Liste die explizite Aussage, dass das Verlangen von Lizenzgebühren zulässig ist (z.B. hier).

Die GPL enthält auch keine Aussage, dass der Quellcode öffentlich zu machen sei. Es sind die Lizenznehmer und nur sie, die einen Zugang zum Quellcode erhalten müssen. Und der Lizenzgeber bestimmt selbst, wer seine Lizenznehmer sind. Die Tatsache, dass eine GPL-lizenzierte Komponente öffentlich, z.B. über das Internet, verfügbar ist, bedeutet keineswegs, dass auch ein Projekt, das diese Komponente verwendet, öffentlich gemacht werden muss.

Die GNU Lesser General Public License

Die LGPL ist als Lizenz für Software-Bibliotheken vorgesehen. Die Grundidee hierbei ist, dass die Bibliothek freie Software bleibt. Sie kann aber in kommerziellen Applikationen verwendet werden, ohne dass die Applikationen deshalb nun ebenfalls freie Software werden. Eine Applikation, die gegen eine LGLP-lizenzierte Bibliothek linkt oder diese verwendet, kann unter jeder beliebigen Lizenz verbreitet werden, solange diese Lizenz nicht die Lizenznehmer in der Verwendung der LGPL-lizenzierten Bibliothek einschränkt. Der Quelltext der LGPL-lizenzierten Bibliothek muss den Lizenznehmern zur Verfügung gestellt werden.

Die Situation ist ein wenig komplizierter, wenn die Bibliothek modifiziert wird. Die Bibliothek und ihre Änderung unterliegen immer noch der LGPL. Daher ist es erforderlich, jedem Lizenznehmer eine Kopie des modifizierten Quellcodes zugänglich zu machen und ihm auch sonst alle Rechte zu gewähren, die mit der ursprünglichen Lizenz verbunden sind. Daraus folgt aber noch immer nicht die Notwendigkeit, auch die ganze Applikation unter der LGPL zu verbreiten.

Die GNU Affero General Public License

Die AGPL kann als Erweiterung der GPL betrachtet werden. Sie ist für für die Lizenzierung von Software vorgesehen, die nicht an Benutzer verteilt wird, sondern über ein Netzwerk wie das Internet verwendet wird. Die Benutzer erhalten dabei dieselben Rechte wie sonst Lizenznehmer. Insbesondere erhalten die Benutzer das Recht auf Zugang zum Quellcode der Software.

Kompatibilität der Lizenzen

In ihrer aktuellen Version, der Version 3, sind alle drei Lizenzen miteinander kompatibel. Man kann Komponenten oder Bibliotheken unter jede der Lizenzen in einem gemeinsamen Projekt einsetzen, wobei die Bedingungen der jeweiligen Lizenzen gültig bleiben. Wenn zum Beispiel ein Projekt eine LGPL-lizenzierte und eine GPL-lizenzierte Bibliothek einsetzt, unterliegt das Projekt beiden Lizenzen. Im Effekt ist es dann die stärkere GPL, die vorschreibt, welche Rechte die Lizenznehmer des Projekts haben. Eine Applikation, die GPL-lizenzierte und AGPL-lizenzierte Komponenten verwendet, muss sowohl die unter der GPL als auch die unter der AGPL vorgeschriebenen Rechte gewähren. Das heißt unter anderem, allen Benutzern, nicht nur den Lizenznehmern, die eine Kopie der Applikation erhalten, muss ein Zugang zum Quelltext gewährt werden.

Mögliche Verwendungen

LGPL-lizenzierte Software

Bibliotheken und Komponenten, die unter der LGPL freigegeben sind, können problemlos in kommerziellen Projekten verwendet werden. Die Bibliotheken und Komponenten unterliegen dann immer noch der LGPL. Ihre Verwendung oder freie Verteilung durch den Kunden kann in keiner Weise eingeschränkt werden. Aber die Applikation selbst, die LGPL-lizenzierte Bibliotheken oder Komponenten verwendet, kann unter beliebiger Lizenz freigegeben werden.

Interessant ist, dass die Bildung von Unterklassen einer LGPL-lizenzierten Java (oder anderen OO) Klasse als Benutzung einer Schnittstelle einer Bibliothek analog dem Funktionsaufruf einer Bibliothek gesehen wird. Sie wird nicht als Modifikation der ursprünglichen Klasse betrachtet. Daher unterliegen die so gebildeten Unterklassen nicht den Verpflichtungen, die die LGPL Lizenzgebern auferlegt.

Interne Verwendungen

Solange man GPL- oder AGPL-lizenzierte Komponenten oder eigene Software, die auf solche Komponenten aufbaut, nicht verbreitet, sondern nur hausintern verwendet, ist man nicht verpflichtet, irgendwelche Rechte zu gewähren. Folglich sind alle internen Verwendungen unbeschränkt und harmlos. Ein typischer Fall etwa ist das Aufsetzen eines Linux Servers. Der Linux-Kern ist unter der GPL lizenziert. Trotzdem ist die Verwendung von Linux als Betriebssystem für die Benutzer mit keinen weiteren Verpflichtungen verbunden. Dasselbe gilt für alle internen Verwendungen von GPL-lizenzierter Software.

Mehr noch, auch die Installation eines Linux-Servers beim Kunden ist absolut unproblematisch. Und zwar auch dann, wenn man für die Installation und den Service Gebühren verlangt. Das Verlangen von Gebühren für Services rund um GPL-lizenzierte Software ist unter allen Umständen unproblematisch. Selbst das Verlangen von Gebühren für die Software selbst ist nach GPL durchaus zulässig. Es stellt sich nur die Frage, in wie weit Kunden bereit sind, für solche Lizenzen Geld auszugeben, wenn sie die Lizenzen aus anderen Quellen umsonst erhalten können.

Tatsächlich ist das Bereitstellen von Dienstleistungen um Linux-Server, ja sogar das Verlangen von Gebühren für Linux-Lizenzen ein erfolgreiches Geschäftsmodell für Firmen wie Debian, Red Hat und SuSE seit fast zwei Jahrzehnten. Sie zeigen, dass erfolgreiche Geschäftsmodelle im Umfeld freier Software etabliert werden können.

Cloud Dienste

Viele Applikationen werden heute nicht mehr lizenziert und verteilt als gebündelte Software wie z.B. Microsoft Office. Statt dessen laufen die Applikationen nur noch auf einem Cluster von Servern und werden von Benutzern über das Internet verwendet. Beispiele dafür sind Webmail-Systeme oder Dienste zum Teilen von Fotos. Diese Applikationen sind bekannt unter dem Begriff Software as a Service.

Die GPL ist eine Lizenz, die für die klassische Verteilung von Software entworfen wurde. Wenn Software nicht verteilt wird, greifen die Rechte der GPL gar nicht. Als Konsequenz kann man GPL-lizenzierte Komponenten in SaaS-Projekten benutzen, ohne den Quellcode der Projekte irgend jemandem außerhalb des eigenen Unternehmens zugänglich machen zu müssen. Dies ist eine bekannte Schwachstelle der GPL, und der Grund dafür, weshalb die AGPL existiert.

„Normale“ Kundenprojekte

Ein „normales“ Kundenprojekt ist ein Projekt, in dem eine Softwarefirma für einen Kunden oder einen kleinen Kreis von Kunden eine Anwendung entwickelt, meist auf Anforderung des Kunden. Selbst in solchen Projekten kann der Einsatz von GPL-lizenzierten Komponenten sinnvoll sein. Tatsächlich stellt die Bedingung, den Quelcode des Projektes an den Kunden auszuliefern, in solche einem Fall nicht wirklich eine ernste Beschränkung dar, weil Verträge für solche Projekte ohnehin regelmäßig Klauseln beinhalten, die die Übergabe des Quelltextes vorsehen. Da der Kunde für die Entwicklung zahlt, hat er das Recht, alle bei der Entwicklung entstehenden Artefakte einschließlich des Quelltextes zu erhalten.

Ein Punkt, der hier sehr viel wichtiger ist, ist der, dass der Kunde ebenso nach GPL das Recht erhält, die Software weiter zu verteilen einschließlich der Option, dafür Lizenzgebühren zu verlangen. Es ist also in diesem Fall eine wichtige Frage, ob der Kunde ein Interesse haben könnte, die Software weiter zu verteilen. Schauen wir uns dazu zwei Beispiele an. Angenommen die Softwarefirma entwickelt eine Anwendung, die nicht nur für den Kunden selbst, sondern für weitere Firmen aus der Branche des Kunden nützlich ist. Ein Beispiel dafür kann eine Verwaltung von Adressen und Zahlungsverfahren für Endkunden sein. Solch ein System ist in der Regel nicht spezifisch für den Kunden ausgelegt. Damit kann der Kunde schon ein Interesse haben, die Software an seine Konkurrenten zu verkaufen. Die GPL gibt ihm die Freiheit, das zu tun.

Angenommen, die Anwendung, die für den Kunden entwickelt wird, ist ein Softwaremodell des Kernprozesses des Geschäftsmodells des Kunden. Die Anwendung modelliert Schlüsseleigenschaften, die dem Kunden entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz sichert. In der Automobilindustrie etwa, um ein Beispiel zu geben, könnte das ein Fahrzeugkonfigurator sein, der direkt mit dem Auftragssystem und den Produktionsanlagen interagiert. Die Anwendung wäre dann essentiell für den ökonomischen Erfolg des Kunden und Teil seiner Kernwerte. In solch einer Situation hätte ein Kunde vermutlich fast keine Gründe, die Anwendung an Konkurrenten weiter zu geben. Obwohl also die GPL dem Kunden gewisse Recht gewährt, kann man sich ziemlich sicher sein, dass der Kunde kein Interesse hat, diese Rechte jemals auch zu nutzen. In solch einem Fall kann die Verwendung von GPL-lizenzierten Komponenten durchaus eine sinnvolle Option sein.

Übersicht

Obwohl die Verwendung von GPL-lizenzierten Komponenten in kommerziellen Projekten einen ziemlich schlechten Ruf hat, ist die Situation nicht ganz so schlecht, wie man vielleicht denken könnte. Die folgenden Fälle können als unproblematisch erachtet werden.

  • Die Verwendung von LGPL-lizenzierten Bibliotheken oder Komponenten.
  • Die interne Verwendung von GPL-lizenzierten Komponenten.
  • Die externe Verwendung von GPL-lizenzierten Applikationen, wenn das Geschäftsmodell in der Bereitstellung von Dienstleistungen rund um die Applikationen besteht.
  • Die Verwendung von GPL-lizenzierten Komponenten in SaaS-Projekten.

In normalen kommerziellen Projekten ist zu überlegen, ob der Kunde ein Interesse haben könnte, das ihm von der GPL gewährte Recht wahr zu nehmen, die Applikation an seine Konkurrenten weiter zu reichen. Wenn das nicht der Fall ist, kann auch in solchen Projekten der Einsatz von GPL-lizenzierten Komponenten sinnvoll sein.

Hinweis

Dieser Text stellt keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes dar, sondern gibt lediglich die Meinung des Autors wieder.

Dr. Stephan Kepser ist Experte für Themen rund um Cloud Computing und Big Data. Zu diesen Themen hat er schon diverse Fach- und Blogartikel verfasst und zudem hat er die Hadoop User Group Rhein-Ruhr gegründet. Seine Interessen reichen von rechtlichen Fragen über Fragen der Architektur und des Systemdesigns bis hin zu den technischen Details von NoSQL-Datenbanken.

Share on FacebookGoogle+Share on LinkedInTweet about this on TwitterShare on RedditDigg thisShare on StumbleUpon

Kommentare

  • Patrick Peschlow

    Schöner Post – es ist wichtig, dass diese immer wieder aufkommenden Missverständnisse mal öffentlich entkräftet werden. Ich bin mir sicher, dass besonders die AGPL im Cloud-Alltag noch viele Fragen aufwerfen wird. Ein nettes Beispiel ist MongoDB:

    Der Quellcode von MongoDB ist unter der AGPL veröffentlicht worden. Bedeutet das nun, dass ein Internetdienst, der Benutzerdaten in MongoDB speichert, seinen Quellcode offenlegen muss? Nein!

    Denn in der Regel baut der Internetdienst unmittelbar nur auf einem Datenbank-Driver auf und linkt nicht gegen den Datenbank-Quellcode oder verändert diesen gar. Glücklicherweise sind die offiziell unterstützen Mongo Driver unter der Apache License veröffentlicht, so dass wir diese unbesorgt in unseren Cloud-Angeboten verwenden können. Wären die Driver jedoch ebenfalls unter der AGPL veröffentlich worden, dann gäbe es in der Tat ein Problem (und man müsste wohl seinen eigenen Driver schreiben, um nicht den Quellcode seiner Anwendung veröffentlichen zu müssen). Aber sind sie ja zum Glück nicht.

  • Kellervater

    9. Oktober 2013 von Kellervater

    Danke für diesen ausführlichen und aufschlussreichen Artikel. Er hat mir sehr weitergeholfen.

  • Nico

    Hallo,
    wir schreiben jetzt 2016, ist dieser Artikel aktuell? Er ist wahnsinnig hilfreich, ganz echt, aber stimmt das so noch?
    Frdl grüße nico

    • Stephan Kepser

      Der Artikel ist immer noch aktuell. Der Grund dafür ist, dass es von den besprochenen Lizenzen keine neueren Versionen gibt. GPL, LGPL und AGPL sind nach wie vor bei Version 3.
      Es stimmt also alles noch.

  • Tobias

    3. März 2016 von Tobias

    Hallo,
    ich fand den Artikel auch wirklich sehr hilfreich! Danke dafür…
    Aber mich beschäftigt jetzt immer noch eine Frage…
    Wir haben ein recht umfangreiches Programm für Personaldienstleister. Für einen kleinen Programmteil benötige ich die Möglichkeit PDFs in Bilder umzuwandeln. Hierzu würde ich ggf. Ghostscript verwenden wollen. Muss ich in einem solchen Fall wirklich den gesamten SourceCode meiner Applikation meinen Kunden geben oder würde ggf. ein zu schreibender Wrapper oder dergleichen ausreichen?

    Gruß Tobias 🙂

    • Stephan Kepser

      Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Und ich kann sie auch nur teilweise beantworten. Die Intention hinter der GPL und der AGPL ist, dass alle Software, die GPL-Software verwendet, ebenfalls der GPL unterliegt. (Siehe z.B. http://www.gnu.org/licenses/gpl-faq#IfLibraryIsGPL). Ein Wrapper würde sicher nicht ausreichen. Denn alle Komponenten, die den Wrapper verwenden unterlägen wieder der AGPL (Ghostscript unterliegt der AGPL.)

      Andererseits kann man eine große Applikation in einzelne fachlich definierte Teilapplikationen zerlegen, die jede für sich unabhängig einen Nutzen für den Kunden herstellen. Es unterlägen dann nur die Teilapplikationen der GPL (oder AGPL), die Ghostscript benutzen. Ein Beispiel wäre ein Office-Paket, wo nur der Word-Prozessor, nicht aber die Tabellenkalkulation Ghostscript verwendet. Dann unterläge die Tabellenkalkulation der AGPL, der Word-Prozessor aber nicht.

      Wo die Grenzen liegen, also wann man noch von unabhängigen Teilapplikationen reden kann und wann es mehr Module einer großen Applikation sind, können nur Fachjuristen bzw. im Zweifelsfall nur Gerichte beantworten.

  • Markus

    9. März 2016 von Markus

    Hallo,
    Ich möchte GPL 3.0 lizensierte Bilder in einer Android App einbinden, und diese „closed-source“ auf dem Google Play Markt veröffentlichen. Kann ich das, solange ich die Bilder nicht verändere?

    • Stephan Kepser

      Nach meinem Verständnis der GPL spielt es bei der Nutzung von Ressourcen, die der GPL unterliegen, keine Rolle, ob diese modifiziert werden oder nicht. (Bei Softwarebibliotheken ist die unveränderte Benutzung die Regel.) In jedem Fall unterliegt damit das einbettende System, in diesem Fall die Android App, ebenfalls der GPL 3.0. Das ist Idee und Intention der GPL (bekannt als virale Verbreitung). Mit anderen Worten, wenn Sie GPL 3 lizensierte Bilder in Ihre App einbinden, müssen Sie allen Nutzern der App das Recht einräumen, den App-Quelltext einzusehen (und zu verändern und zu verkaufen).

  • Suther

    11. April 2016 von Suther

    Zitat:
    Ein Punkt, der hier sehr viel wichtiger ist, ist der, dass der Kunde ebenso nach GPL das Recht erhält, die Software weiter zu verteilen einschließlich der Option, dafür Lizenzgebühren zu verlangen.

    Das scheint so nicht richtig – Rechtsanwältin Pia Cristina Heldermann schrieb dazu:

    Lizenzgebühren dürfen bei der GPL explizit nicht verlangt werden. Allerdings darf bei der Weitergabe von Software, die ja durchaus eine Menge Arbeit beinhaltet, ein Entgelt verlangt werden, welches häufig in einem Vertrag in Form einer Service-Garantie zu der bestehenden GNU GPL Lizenz hinzugefügt wird.

    Quelle: http://www.frag-einen-anwalt.de/Kommerzielle-Nutzung-von-GPL-Software—f196203.html

    • Stephan Kepser

      Eine der Intentionen meines Blogbeitrags bestand und besteht darin, gegen den Mythos anzugehen, man könne für GPL lizenzierte Software keine Gebühren verlangen. Wie im Text vermerkt, schreiben die Autoren der GPL in ihrer Liste von Fragen und Antworten explizit an dieser Stelle, dass Gebühren in beliebiger Höhe verlangt werden dürfen. Diese Aussage ist eindeutig. Da Frau Heldermann in dem von Ihnen zitierten Blogbeitrag keine Quellen nennt, kann ich Ihnen nicht sagen, worauf sie ihre Aussage stützen möchte.

      • Peter

        22. Juni 2016 von Peter

        Autsch! – und Bäh!

        Da sieht man mal wieder wie verzerrt mancher Leute Sicht- und Handlungsweise ist. Der Fragesteller an die Rechtsanwältin, ein kommerzielles Unternehmen, möchte seinen eigenen Profit maximal gestalten, aber anderen gar nichts(!) zugestehen. Weswegen sie dann auch rechtliche Sicherheit in einem kostenlosen Internetforum suchen.

        Mir sind solche Beispiele schon zu hauf begegnet, aber dennoch bin ich immer wieder überrascht wie stark Gier viele relevanten Bereiche infiltrieren und bis hin zur totalen Ausschaltung überlagern kann.

        Anscheinend sind nur wenige Bereiche / Eigenschaften dagegen resistent: Dummheit und Arroganz. 🙂

        Vielen Dank für den informativen und hilfreichen Artikel, (und die Beantwortung der follow-ups)!
        Peter

      • Pia Heldermann

        22. Februar 2017 von Pia Heldermann

        Da ich hier explizit namentlich genannt und zitiert werde, möchte ich kurz darstellen, dass die hier im Blogbeitrag genannte Ansicht, man dürfe für GNU GPL lizensierte Software „Lizenzgebühren“ (und zwar nach der juristisch korrekten Definition von Lizenzgebühren) verlangen, definitiv falsch ist. Das Gegenteil ist offensichtlich dem Text der GNU General Public License zu entnehmen. Etwas anderes würde auch dem gesamten Charakter dieser Lizenz widersprechen, die sich ausdrücklich gegen Patente und Lizenzen richtet und freie Software propagiert.

        Wahrscheinlich ist diese falsche Aussage dem Umstand geschuldet, dass der Autor die Wörter „fee“ (Entgelt) und „royalty fee“ (Lizengebühr) verwechselt bzw synonym benutzen. Das ist aber etwas völlig anderes. Und ja, auch ein Nichtjurist muss sich an die korrekte juristische Terminologie halten, wenn er juristische Texte interpretiert.
        Eine Lizenzgebühr hat jedenfalls jeder Nutzer in immer gleicher Höhe unabhängig vom Aufwand und den Kosten zu entrichten, ein Entgelt ist im Gegensatz dazu so etwas wie eine Aufwandsentschädigung, die jemand für Mühe und Kosten entlohnen soll. Es ist absolut korrekt, dass man Geld verlangen kann, wenn man ein Programm unter der GNU GPL auf einer website zum download bereit hält. Genau das steht auch in den vom Autor zitierten FAQ, die aber ausdrücklich von „FEE“ sprechen und nicht von „royalty fee“.

        Dass definitiv keine Lizengebühren verlangen darf, ist auch diesem Teil der FAQ zu entnehmen, wobei es darum geht, ob ein Entgelt von absolut jedem Nutzer verlangt werden kann (dann wäre es nämlich eine Lizenzgebühr),:
        Does the GPL allow me to require that anyone who receives the software must pay me a fee and/or notify me? (#DoesTheGPLAllowRequireFee)

        No. In fact, a requirement like that would make the program non-free. If people have to pay when they get a copy of a program, or if they have to notify anyone in particular, then the program is not free. See the definition of free software.

        • Thomas Tempelmann

          19. März 2017 von Thomas Tempelmann

          Ich stimme der Interpretation von Pia Heldermann zu. Oder vielleicht gibt es auch nur ein Mißverständnis. Ich verstehe die GPLv2 so: Wenn ich (als Entwickler) eine eigene Software entwickle, die Bibliotheken benutzt, die unter GPLv2 stehen, kann ich dieses Paket an meinen Auftraggeber verkaufen. Was ICH nicht fordern kann, ist, daß der Auftraggeber an MICH Lizenzen dafür abführt, daß er die Software dann an Dritte veräußert. Der Auftraggeber hat aber sehr wohl die Freiheit, die Software ANDEREN nur gegen Geld zu veräußern. Diesen wiederum wäre es dann aber erlaubt, die Software kostenlos ALLEN zugänglich zu machen. D.h, jeder, der Zugriff auf die GPL-Software hat, DARF Geld für die Weitergabe verlangen, muss es aber nicht. D.h, ich als Urheber der Originalversion kann nicht kontrollieren, dass Dritte meine Arbeit frei verteilen. D.h. für mich als Urheber, daß ich mit dem direkten Auftraggeber ggf. einen Preis aushandeln muss, der mir Genugtuung gibt, auch wenn die Software danach frei für alle wird.

  • Andreas

    6. September 2016 von Andreas

    Danke für den interessanten Post! Mich würde interessieren, ob mit der Verwendung einer unter GPL lizensierten Software auch das Recht zur Verwendung des Namens der Software einhergeht? Wenn ich also eine GPL Software Namens „Foobar“ verwende, könnte bzw. müsste mir der Lizenzgeber zwar den Quellcode und die Weiterverwendung zugestehen, aber könnte mir immer noch die Verwendung eines evtl. sogar geschützter Markennamens „Foobar“ untersagen, oder? Die Frage stellt sich mir z.B. weil wir sehr häufige mit CMS Systemen wie TYPO3 oder WordPress arbeiten. Diese werden alle unter GPL (v2) lizensiert.

  • Felix

    Vielen Dank für den interessanten Artikel – welch angenehmer Unterschied zu irgendwelchen Foreneinträgen!

    Auch ich kämpfe immer noch mit den zwei genannten Mythen: Lizenzgebühren und Veröffentlichung des Quellcodes.

    Möglicherweise ist einer der Gründe der, dass mir nicht klar ist, was mit „Verteilung“ / „Weitergabe“ / „Distribution“ der Software gemeint ist.

    Konkret geht es bei mir darum, dass ich vorhabe, einen Dienst / Webseite anzubieten. Es soll dabei ein CMS verwendet werden (TYPO3, WordPress, Drupal,…) => GPL (v2 und später)
    Die Software soll von mir selbst erstellt werden und auf meinem Server laufen, aber öffentlich zugängich sein. Die Nutzer sollen gegen eine Gebühr in der Lage sein, sich einzuloggen und ihre Daten bearbeiten, einsehen etc.
    Die Software soll also nicht im klassischen Sinne auf Datenträger oder per Download verkauft, sondern nur ein Dienst durch mich betrieben werden. Nach meinem Verständnis entspricht dieser Fall dem Abschnitt „Cloud Dienste“ (auch wenn „Cloud Dienst“ und „SaaS“ für meinen Fall vielleicht etwas hochtrabend sind). Demnach wäre ich nicht zur Herausgabe des Quellcodes verpflichtet. Gut! Andererseits liest sich https://www.gnu.org/licenses/old-licenses/gpl-2.0-faq.de.html#UnreleasedMods („Ein Unternehmen führt eine modifizierte Version eines GPL lizenzierten Programms auf einem Webauftritt aus. Besagt die GPL, dass sie ihre modifizierten Quellcodes freigeben müssen?“) wieder anders: „[…] putting the program on a server machine for the public to talk to is hardly “private” use, so it would be legitimate to require release of the source code in that special case […]“

    * zählen diese Nutzer als „Lizenznehmer“?
    * muss ich den Nutzern auf Verlangen den Quallcode aushändigen?
    * darf ich für den Dienst Gebühren verlangen?
    * Wie unterscheiden sich diesbezüglich GPL v2 und GPL v3?

    • Stephan Kepser

      Sicherheitshalber noch einmal: Ich gebe hier mein Verständnis der Lizenzen wieder. Eine Rechtsberatung kann und darf ich nicht vornehmen.

      Es kommt exakt auf die Lizenz der Software an, die Sie verwenden wollen.

      Für die AGPL ist die Antwort einfach. Die Nutzer zählen als Lizenznehmer. Sie haben ein Anrecht auf Zugang zum Quellcode zum Selbstkostenpreis. Das gilt aber nur für die Nutzer, nicht für die Allgemeinheit. Gebühren dürfen Sie für den Dienst trotzdem verlangen. Das verbietet die AGPL nicht. Sie können nur nicht verhindern, dass ein Nutzer Ihren Quellcode nimmt und damit einen eigenen Dienst aufsetzt. Dazu hat er das Recht.

      Die AGPL wurde genau für solche Fälle (Cloud- oder Internetdienst) geschaffen und soll den Nutzern solcher Dienste dieselben Rechte einräumen, die sonst Nutzern von unter der GPL v3 verteilter Software zu Gute kommen.

      Die GPL v3 bezieht sich nur auf Software, die klassisch an die Nutzer verteilt wird. Sie bezieht sich nicht auf Software, die nur auf Ihrem Server läuft. Daher sind die Nutzer keine Lizenznehmer. Eine Herausgabe des Quelltextes ist also nicht erforderlich. Natürlich dürfen Sie Gebühren für Ihren Dienst verlangen.

      Die GPL v2 kennt eigentlich keine Cloud- oder Webdienste. Sie spricht nur von Software, die klassisch über Datenträger verteilt wird. Aus Sicht der GNU und der Autoren der GPL v2 ist das ein „Loch“ in der Lizenz. Denn die Intention ist, auch Nutzern von CLoud- und Webdiensten den Quellcode des gesamten Programms, das als Komponente ein Programm unter der GPL v2 beinhaltet, frei zugänglich zu machen. Das ist es, was im Kommentar unter der Antwort auf die von Ihnen zitierte Frage steht („so it would be legitimate …“). Aber der Text der GPL v2 redet über solche Nutzungen in Webdiensten nicht. Daher lautet ja auch die Antwort auf die Frage nach der Nutzung von Software, die GPL v2-Komponenten beinhaltet, „The GPL permits anyone to make a modified version and use it without ever distributing it to others. What this company is doing is a special case of that. Therefore, the company does not have to release the modified sources.“

      Es ist also nicht erforderlich, den Nutzern den Quelltext auszuhändigen. Die GPL v2 redet von Gebühren nur im Zusammenhang mit der Weitergabe des Quellcodes. Da wird ausgesagt, dass die Weitergabe des Quellcodes nicht kostenfrei erfolgen muss, sondern zum Selbstkostenpreis erfolgen kann. Das ist auch nochmal an dieser Stelle in den Fragen und Antworten erläutert. Da Sie aber die Software nicht verteilen, schweigt die GPL v2 dazu. Sie können also für Ihren Dienst Gebühren verlangen.

  • Anton

    Hei.
    ich hab alles mal gelesen. E sist noch immer verwirrend.
    Hat jemans mal klartext für mich?

    Ich habe ein Programm gefunden. Dieses steht unter der LGPL Lizenz.
    Darf ich das Programm als Download unverändert auf unserer Clan Seite (Gilde usw ^^) als Download anbieten?

    Denn über der Info in dem Programm steht (C) 3003-2013.

    Also was denn nun? Copyright, also ich darf es nicht, oder doch LGPL, und ich darf es doch?

  • Gerhard Schmidt

    19. Mai 2017 von Gerhard Schmidt

    Hallo!

    Darf ich den Quelltext einer App (GPL3.0) anpassen und für ein kommerzielles Projekt nutzen bzw. auf Google play verkaufen?

  • Christian

    19. Juli 2017 von Christian

    Hallo,

    erstmal vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Ich habe eine konkrete Anwendungsfrage zu der MIT-Lizenz:

    Sie lautet wie folgt:

    „Copyright (c) 2016 Mr. Mustermann

    Permission is hereby granted, free of charge, to any person
    obtaining a copy of this software and associated documentation
    files (the „Software“), to deal in the Software without
    restriction, including without limitation the rights to use,
    copy, modify, merge, publish, distribute, sublicense, and/or sell
    copies of the Software, and to permit persons to whom the
    Software is furnished to do so, subject to the following
    conditions:

    The above copyright notice and this permission notice shall be
    included in all copies or substantial portions of the Software.“

    Anwendung:
    Ich programmiere eine App und benutze dazu zu einem Großteil eine Software die unter obiger Lizenz steht.
    Die App möchte ich in den großen Appstores für einen einmaligen Preis verkaufen.

    So wie ich die Lizenz verstanden habe und durch anderweitige Recherche im Internet, ist es mir erlaubt die App kommerziell zu verkaufen und muss sogar nichtmal die Source offenlegen (closed source).

    Was ich machen muss (wenn ich das richtig verstehe): Einen Hinweis hinterlegen wer das Copyright an der Fremdsoftware besitzt und unter welcher Lizenz diese steht (Beispiel: Wer Firefox benutzt einfach mal about:license eingeben).

    Die Frage: Muss ich diesen Hinweis in der Appbeschreibung hinterlegen, oder kann ich den Hinweis auch etwas versteckt, auf der zu der App gehörigen Internetseite bereitstellen? Ich möchte natürlich meiner Konkurrenz nicht unbedingt diese Fremdsoftware „auf die Nase binden“, jedoch wer sucht soll und muss natürlich finden 😉

    • Stephan Kepser

      Hallo Christian,

      ich kenne mich mit der MIT-Lizenz nicht wirklich aus, und kann daher nur versuchen, zu interpretieren, was ich aus dem Zitat lese. Demnach muss die Copyright Erklärung und die Nutzungserlaubnis der MIT-Lizenz überall, wo die Software, die unter dieser Lizenz steht, dabei sein. D.h. wer die Software verwendet darf weder die Copyright Erklärung und die Nutzungserlaubnis entfernen und somit so tun, als hätte er die Software selbst erstellt oder könnte die Nutzungsrechte einschränken. Ich sehe keine Verpflichtung für Dich, in der Beschreibung Deiner eigenen Software aufzulisten, welche Bibliotheken Du verwendest und unter welchen Lizenzen diese Bibliotheken stehen.
      Dies ist aber, wie gesagt, nur meine Einschätzung.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.