PRISM – Liest die NSA unsere E-Mails?

15 Kommentare

Nachdem sich in den Nachrichten mal wieder ein Politiker aufgeregt hat, dass die NSA alle unsere E-Mails liest, möchte ich diese Aussage mal ein wenig mit Zahlen hinterlegen und aus „Big Data“ Gesichtspunkten beleuchten.

Laut Washington Post sind es ja nicht nur E-Mails, die PRISM analysiert, sondern auch Daten von Facebook  oder Skype – ich möchte aber einfach mal bei den E-Mails bleiben.

Fangen wir damit an, wie viele E-Mails pro Tag geschrieben werden. Laut der Welt sind es weltweit 145 Milliarden E-Mails pro Tag.

Auf die Gefahr hin, dass Politiker oder andere Menschen wirklich glauben, dass diese E-Mails gelesen werden, die erste kurze Herleitung:

Würde ein NSA Mitarbeiter wirklich jede E-Mail lesen und dafür im Schnitt  1 Minute benötigen, dann wären das 145 Milliarden Minuten pro Tag für das Lesen der Mails. Bei 8 Stunden Arbeitszeit würde die NSA dann 300 Millionen Mitarbeiter benötigen – also praktisch jeden Amerikaner im arbeitsfähigen Alter. Übrigens unter der Annahmen, dass jeder Amerikaner dann auch jede Sprache dieses Planeten sprechen kann und 7 Tage die Woche ohne Urlaub und Krankheit arbeitet. Denke, dass wir somit schon mal ausschließen können, dass unsere Mails wirklich immer von einem Menschen gelesen werden.

Gut, dann stellt sich doch eher die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass meine Mail von einem Mitarbeiter der NSA gelesen wird. Gehen wir mal davon aus, dass die NSA jede E-Mail abfängt und analysieren kann. Wenn es darum geht, Terroranschläge zu vermeiden, dann wird man über Natural Language Processing Algorithmen versuchen semantisch zu erkennen, ob es sich um „kritische“ Informationen handelt. Ist dies der Fall, wird man diese E-Mail aussortieren und dann einem Mitarbeiter zuführen, der diese dann noch mal analysiert und ggf. Maßnahmen einleitet. Automatisieren kann man diesen Vorgang nicht.

Laut Wikipedia hat die NSA ca. 40.000 Mitarbeiter. PRISM wird nicht die einzige Aufgabe sein, mit der sich die NSA beschäftigt, deshalb treffe ich die Annahme, dass max 10% (wahrscheinlich viel zu hoch) sich mit dem lesen und beurteilen von E-Mails beschäftigen. Durch Urlaub, Krankheit und Wochenenden arbeitet man ca. 60% der verfügbaren Tage. Da der Vorgang nicht wirklich einfach ist, wegen unterschiedlicher Sprachen und wahrscheinlich auch dem Heranziehen von weiteren Informationen zu dem betroffenen User (Facebook, etc), wird ein manueller Beurteilungsvorgang ca. 15 Minuten dauern, so dass ein Mitarbeiter 32 Vorgänge am Tag bearbeiten kann. Sprich die 4.000 Mitarbeiter der NSA könnten somit 76.800 E-Mails am Tag auswerten (unter Berücksichtigung der 60% Arbeitstage). Dies entspricht 0,0000529% des tägliche E-Mail Volumens. Die Wahrscheinlichkeit ist also in etwa so wie einen 5er im Lotto zu erwischen (0,0000429%).

Die Wahrscheinlichkeit einen 5er im Lotto ist in etwas so hoch wie die Chance, dass meine E-Mail von der NSA gelesen wird.

Also selbst wenn die NSA 10% Ihrer Mitarbeiter für das Bearbeiten von kritischen E-Mails abstellen würde, müsste man die Algorithmen für das Erkennen von terroristischen Absichten schon sehr optimieren, um die Flut der Daten noch verarbeiten zu können. Wenn man jetzt noch Facebook, Twitter, Blogs, Skype und Telefongespräche dazu nimmt, dann kann man sich annähernd vorstellen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass man als normaler Bürger von PRISM wirklich in seiner Privatsphäre verletzt wird.

Stimmt es dann auch noch, dass auf Basis von PRISM Terroranschläge vereitelt wurden – beispielsweise auch die Sauerland Gruppe in Deutschland überführt wurde, dann sollte man die aktuelle Diskussion wirklich differenzierter sehen. Um auch hier ein paar statistische Zahlen zu bringen. Hätte die Bombe der Sauerland Gruppe in Deutschland 50 Menschen getötet, dann hätte die Wahrscheinlichkeit, dass es mich oder ein Familienmitglied getroffen hätte bei 0,0000833% pro Person gelegen.

Statistisch gesehen ist es also wahrscheinlicher, dass ich von einem Terroristen getötet werde als das meine E-Mail von der NSA gelesen wird.

Big Data hat viel mit großen Zahlen und Statistik zu tun – wäre schon, wenn man als Bürger auch die Möglichkeit hätte auf dieser Faktenlage zu entscheiden und sich einer Meinung zu bilden.

 

 

 

 

Als Mitbegründer und Advisor der codecentric AG berät Mirko bei der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Er ist Geschäftsführer und Mitgründer der Startups CenterDevice und Instana – beides disruptive Geschäftsmodelle auf Basis von Big-Data- und Cloud-Technologien.

Seine Interessen liegen im Bereich der Veränderung von Geschäftsmodellen durch moderne Technologien und Software, also der zunehmenden Digitalisierung der Welt und den daraus resultierenden Veränderungen und Potential für Unternehmen.
Im Privatleben widmet er sich am liebsten seiner Familie, zum sportlichen Ausgleich fährt er Mountainbike.

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Kommentare

  • Niklas

    28. Juli 2013 von Niklas

    Hi Mirko! Warum beziehst Du denn die max. mögliche Anzahl bearbeiteter E-Mails durch die 4000 NSA Mitarbeiter auf das gesamte Volumen? Ich würde sagen ich kann problemlos dafür sorgen, das unsere Mails gelesen werden, und zwar indem der Inhalt den Filterkriterien der angesprochenen automatischen Spracherkennung entspricht. Es geht für mich gar nicht darum, ob eine Person das liest, sondern darum, dass die Mails automatisch ausgewertet werden und somit meine Privatssphäre eingeschränkt wird. Weiterhin ist mir wichtig, dass wir so eine Einschränkung nicht akzeptieren. Denn im Moment ist es nur der Terror, der dazu berechtig, aber in ein paar Jahren, weil es ja beim Terror ’normal‘ ist, wird es auf andere Anwendungsbereiche übertragen. Weiterhin kann man nicht so naiv sein, und glauben, dass das System nicht wie jedes andere unsicher ist vor Missbrauch. Ich habe nicht so viel vertrauen ind die Entscheidungsträger, dass so ein unfangreiches durchleuchten wirklich der effizienteste Weg ist. Wenn das alles im dunklen geblieben wäre, wäre es egal gewesen. Die machen so wie so Dinge, von denen wir nichts wissen wollen. Aber jetzt, da die ‚aufgeflogen‘ sind, haben wir ein Problem, das kritisch diskutiert werden muss. Ich finde es nämlich grundsätzlich nicht in Ordnung wenn meine Mails offiziell gescant werden.

  • Mirko Novakovic

    28. Juli 2013 von Mirko Novakovic

    Niklas, wollte mit dem Beitrag auch nicht für oder gegen PRISM sprechen, sondern einfach mal statistisch aufzeigen, dass die Anzahl der Mails die tatsächlich gelesen werden können, sehr gering ist.

    Interessant ist doch wie wir mit sowas umgehen und das es immer ein abwägen ist. Nehmen wir mal den Fall des Autobahnschützen: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/autobahn-schuetze-einzelgaenger-mit-hass-auf-andere-personen-a-907670.html

    Hier schießt jemand aus Hass auf LKWs 762 mal aus dem fahrenden Auto auf LKWs und nimmt billigend in Kauf auch Menschen zu töten. Wie hat man Ihn gefasst? Indem man die Bewegungsdaten von Handys und aufgezeichnete Kennzeichen auf Autobahnen mit den Fahrtrouten der getroffenen LKWs übereinander gelegt hat und die Personen identifiziert hat, die als Täter in Frage kommen. So hat man den Täter überführt – übrigens ohne PRISM und ganz legal und gefeiert durch das BKA!

    Man hätte sicherlich durch Zufall auch ins Visier der Fahnder kommen können, wenn man durch Zufall auf den Strecken unterwegs war. Die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr gering und deshalb nimmt die Öffentlichkeit das in Kauf. Bei PRISM wird aber in den Medien suggeriert, dass völlig willkürlich alle E-Mails etc gelesen werden. Wissen wir das? Nein. Statistisch ist das unwahrscheinlich – das wollte ich aufzeigen.

    Wenn dann Terroranschläge wie von der Sauerland Gruppe durch PRISM verhindert werden, muss man einen Diskussion und Abwägung machen. Die Amerikaner sind dort sicherlich nach 9/11 etwas weniger kritisch als wir, was man auch verstehen kann.

  • Mirko Novakovic

    28. Juli 2013 von Mirko Novakovic

    Wenn es um Einschränkungen der Privatsphäre geht, dann fallen mir übrigens ganz viele Einschränkungen unter dem Stichwort „Sicherheit“ ein. Da ich viel fliege, muss ich z.B. ständig an der Kontrolle meinen Koffer öffnen und fremden Leute meine Unterhosen zeigen, damit die kontrollieren können, ob mein Rasierschaum unter 100ml liegt – der Inhalt ist dabei übrigens anscheinend egal.

    Fühlt sich manchmal schon etwas erniedrigend an, ertrage ich aber gerne – auch wenn ich von noch keinem Fall gehört habe, wo man ein Verbrechen durch die 100ml Grenze verhindert hat.

  • Jürgen Moors

    28. Juli 2013 von Jürgen Moors

    Der Netzwerktraffic wird zuerst durch die NSA nach Protokoll, dann nach Inhalten (die berühmten Stichworte, wie z. B. Bombe, Paket, etc.) und anschließend nach Kenndaten, z. B. IP des Absenders oder des Empfängers (kann die Wichtigkeit eines Alarmes erhöhen.) gefiltert. Wenn die Software (Prism, die Software aus dem Carnifore-Programm, und wie sie alle heißen…) etwas Verdächtiges findet, wird der Traffic einem NSA-Mitarbeiter vorgelegt. Also ja, es wird jeglicher Traffic gescannt. Wirklich gelesen wird nur ein sehr kleiner Promille-Anteil. Die NSA hat gar nicht genug Mitarbeiter (die haben ganz andere Sachen zu tun…), um alle Mails zu lesen, wie Mirko schon oben bemerkt hast.

    Ich verstehe die Aufregung nicht. War tatsächlich jemand so naiv zu glauben, dass die Amis nicht schon immer alles abgehört und mitgelesen haben? Das machen die schon seit den 60ern in Deutschland. Die Russen (Damals, bis zum Fall der DDR) übrigens auch. Und auch der BND hat seine „Nachrichtentechnischen Versuchsanstalten“. Zu erkennen an den vielen Antennen… 🙂

    LG, Jürgen

  • Christian

    28. Juli 2013 von Christian

    Wenn wir das Thema als reine Mathematik-Aufgabe betrachten, rechnen wir jetzt mal wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ausgerechnet die Email eines Terroristen bei der NSA landet (Wahrscheinlichkeit dass die NSA die Email liest mal Wahrscheinlichkeit dass es ein Terrorist ist). Dann sieht es ganz schlecht mit der Verhältnismäßigkeit aus.
    Natürlich ist das Humbug, weil nicht zufällig irgendwelche Emails ausgewählt werden, sondern die Filterkriterien gezielt angepasst werden. Wenn diese Filter aber so gut funktionieren, dass sie selbst Nachrichten findet, die verschleiert werden, dann kann man ziemlich alles herausfinden. Wer kauft bei Amazon ein oder wer demonstriert im Gezi-Park? Das ist eine mächtige Waffe die von sehr wenigen Leuten aus nur einem Land überwacht wird. Wir wissen nicht mal ob die Überwachung effizient ist und falls mal doch ein Missbrauch geschieht und das öffentlich gemacht wird, werden die Zeugen als Landesverräter verurteilt.

  • Mirko Novakovic

    28. Juli 2013 von Mirko Novakovic

    Hallo Christian,

    da gebe ich Dir zu 100% Recht.

    Es ist wichtig, dass es klare Gesetze gibt was ausgewertet wird und wie dies überwacht wird. Als nicht Jurist weiß ich aber nicht, wie man dies im „Internet“ übergreifend lösen möchte.

    Momentan wird mir aber sehr viel spekuliert und mit der Angst „gespielt“ – beispielsweise, dass alle unsere E-Mails von der NSA gelesen werden. Ich wollte nur zeigen, dass man faktisch nur einen sehr, sehr kleinen Teil filtern und manuell auswerten kann.

    Ich persönlich finde es unter starker Kontrolle und klaren Regeln gut, wenn man die Möglichkeiten nutzt, um Terroristen oder andere Schwerverbrecher zu überführen – ähnlich wie ich eine DNA Analyse befürworte.

    Bei Edward Snowden bin ich sehr vorsichtig, ob er nur ein Zeuge ist oder was seine Motivation ist. Was ich ehrlich gesagt nicht verstehe ist, wie jemand ganz bewusst sein Leben „opfert“ (denn ihm war sicherlich klar, dass er damit nach US Gesetz Landesverrat begeht) – im Namen der Demokratie und der Freiheit und dann zuerst nach China flieht, um dann in Rußland Zuflucht zu suchen. Beides Länder die ich nicht zuerst mit Demokratie und Freiheit in Verbindung bringe…

  • Mirko Novakovic

    28. Juli 2013 von Mirko Novakovic

    Interessantes Interview mit Gunter Dueck zu dem Thema:

    http://www.ksta.de/politik/interview-mit-it-experte-dueck–das-ist-amerikanische-paranoia-,15187246,23704024.html

    Zitat: „Da filtert man aus Milliarden von E-Mails vielleicht 10 000 heraus und muss sie einzeln durchlesen. So findet man vielleicht Verdächtige, weil man nach konkreten Dingen sucht. Aber bestimmt hat niemand die Zeit, mich, Gunter Dueck, zu analysieren. Ich fürchte ganz glücklich, ich bin wie fast alle anderen für Geheimdienste uninteressant.“

  • Bernd

    1. August 2013 von Bernd

    Hi Mirko.

    1. Zuerst: Sollte es bzw. warum sollte es einer Organisation überhaupt erlaubt sein, die gesamte Telekommunikation weltweit analysieren zu dürfen?

    2. Wenn einzelne ihre Kommunikation verschlüsseln, darf dies dann aus Sicherheitsgründen verboten werden? Darf uns Verschlüsselung verdächtig machen? Geben wir unser Recht auf Privatheit und informationelle Selbstbestimmung freiwillig oder erzwungenermaßen auf? In welchem Maße wollen/sollen wir dies tun?

    3. Regt sich nur „mal wieder ein Politiker“ auf – oder doch sogar Teile der Mathematik und Computer (aber auch Geschichte und Politik) verstehenden Bürgerinnen und Bürger?

    4. Im Ernst: Irgendeine große Zahl („145 Millarden E-Mails“) Deinen paar E-Mails gegenüberstellen und daraus Statistiken ableiten? Wirklich?

    5. Zu 4: Dass man die 145 Millarden überhaupt zur Verfügung haben könnte, nimmst Du billigend in Kauf? Du benutzt ja das „Die schiere Masse“-Argument.

    6. zu 5: Dass man nicht auf jede einzelne E-Mail „Natural Language Processing Algorithmen“ anwenden muss, ist aber schon klar, oder? Dass man die Menge spielend verringern könnte, hoffentlich auch (Beschränkung zeitlicher Art, der auf Personen, Länder, Provider, …)

    7. E-Mails um des Artikels willen („Big Data“). Aber es geht ja auch um das Aushebeln von SSL-Verbindungen. Von Hintertüren in Betriebssystemen. Von Kontrollmöglichkeiten von Prozessoren, Motherboards und anderer Low-Level-Technik (Aktuell: Die China-Debatte). Von Verbindungs- und Metadaten aller Art.

    8. Du thematisierst nicht, welche anderen Möglichkeiten sich aus der Nutzung dieser Daten ergeben. Nutzungen, bei denen tatsächlich rein algorithmisch gearbeitet werden kann. „Predictive Policing“ sei hier genannt. Trendforschung. Stimmungslagen. Abstimmungsverhalten. Sollen wir die Nutzung erlauben? Wem erlauben wir Sie – dem Staat, den Unternehmen?

    9. Du ignorierst die Folgen und Auswirkungen von Fehlern und Unzulänglichkeiten. Den Denkverboten, Scheren im Kopf (Diskussionen, Formulierungen), das unschuldig „ins Visier geraten“ und potentiell verdächtig sein (Datensätze sind geduldig), die Weitergabe / den Verkauf einzelner Datensätze. Dagegen sind Fehler bei der Schufa Kinderkram.

    10. Das Archivieren von Kommunikation, auch verschlüsselter, zur späteren Analyse, wenn entsprechende Techniken, Verfahren, Algorithmen zur Verfügung stehen.

    11. Du blendest die Zukunft aus: Sowohl in politischer Hinsicht (Veränderung der Machtverhältnisse, Beispiel Ungarn) als auch in technischer (Stichworte: Moore’s Law, neue Speichermedien etc.).

    Und wir reden davon, dass ein Millarden-Dollar-Etat zur Verfügung steht, Jahr für Jahr, die fachlich hellsten Mathematiker und Informatiker damit zu beschäftigen, dieses von Dir genannte „Big Data“ Problem zu lösen.

  • Mirko Novakovic

    1. August 2013 von Mirko Novakovic

    Hallo Bernd,

    also erst mal vorne weg: Ich ignoriere hier nicht und blende auch nichts aus. Es zeigt nur, dass Du hier eine emotionale Diskussion führen möchtest (wie so viele in dieser Debatte) ohne auch nur meinen Beitrag richtig zu lesen.

    Ich nehme doch z.B. nicht billigend in Kauf, dass 145 Milliarden E-Mails analysiert werden können. Ich glaube auch nicht, dass sich 10.000 Mitarbeiter bei der NSA damit beschäftigen – eher viel, viel weniger, weil die Daten aus PRISM wahrscheinlich viel zu uninteressant sind. Was ich aufzeigen wollte ist der Punkt, dass man mit aktueller Technik nicht in der Lage ist die große Menge an Daten so zu analysieren, dass man automatisiert Entscheidungen treffen kann – man muss den Menschen dazwischen schalten und in dem Moment wird es einfach „langsam“ und die Menge der möglichen „Analyseziele“ wird sehr klein. Die politischen Themen und ob es Recht oder Unrecht ist, betrachte ich in der Mail nicht.

    PRISM ist doch nur eine Facette, die jetzt im Wahlkampf genommen wird, um mit dem Thema „Angst“ zu spielen: „Die NSA liest alle Deine E-Mails und Facebook Nachrichten.“ Das ist doch Quatsch und das wollte ich zeigen.

    Und unsere Politiker (inkl unserer Kanzlerin) wussten nichts davon? Sind schockiert. Das ist der eigentliche Skandal. Anscheinend alles „Neuland“.

    Wie hat man den Autobahnschützen noch mal gefasst? Richtig, durch die Auswertung von Mobilfunkbewegungsdaten und Kennzeichenanalyse auf der Autobahn – damit hat man die Fahrtrouten der beschossenen LKWs abgeglichen.

    Ein anderes Beispiels ist der Tod von Herrn Moshammer 2005 – den Täter hat man gefasst, weil er in der gleichen Zelle mit seinem Handy angemeldet war wie der „Mosi“. (http://www.datenschmutz.de/moin/TK-Verkehrsdaten)

    Im Kampf gegen „Sozialbetrug“ haben die Behörden sich in fast 70.000 Fällen (2012) die Daten von Kontobewegungen geben lassen.

    Wir kaufen illegal entwendete Daten über Steuer CDs, um Steuerhinterzieher zu finden und veröffentlichen diese Daten dann auch noch illegal (siehe Höneß). Die Täter werden nicht belangt.

    Was meinst Du was Unternehmen heute schon alles machen (die meisten Daten kann man ja legal auch einkaufen)? Kredikartenunternehmen berechnen an Hand Deiner Transaktionen die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung, um damit die Kreditwürdigkeit zu bewerten. Stromerzeuger werten Smartmeter Daten aus und wissen was für einen Kühlschrank du hast. Risikobewrtungen und Scoring gibt es in den meisten Branchen schon seit Jahrzehnten. Schließ mal eine Krankenversicherung ab, dann weißt Du was ich meine.

    Es werden immer mehr Daten gesammelt werden und man wird die Daten auch nutzen – sicherlich auch in vielen positiven Fällen, um z.B. Krankheiten zu verhindern oder auch die Umwelt zu schonen – aber auch um Schwerstverbrecher zu fassen.

    Ich bin nicht *für* PRISM, aber ich mache PRISM auch nicht zum „amerikanischen Teufel“ und uns in Deutschland zu den Hütern des heiligen Grals „Datenschutz“.

    Wir brauchen klare Regeln in einer sachlichen Diskussion. Ich wäre für totale Transparenz, welche Daten gespeichert werden und von wem/wann genutzt werden. Nur Fakt ist auch, dass wir das als Deutschland nicht regeln können – das Internet kennt eben keine Grenzen und da müsste man internationale Regeln schaffen.

  • Carlo

    Hätte Herr Dueck geschwiegen, dann wäre er weise geblieben: Im letzten Absatz des Interviews deutet er an, wie so etwas funktionieren könnte und, wer hätte es gedacht, tatsächlich auch funktioniert. Es werden Netzwerke identifiziert und Historien für diese Netzwerke aufgebaut und elektrisch ausgewertet. Und jetzt kommt der Mathematiker, der weiß, dass jeder auf dieser Welt jeden kennt über nur 6 Ecken. Das bedeutet, jedes Netzwerk wird immer auch irgendwann terroristische Kennzeichen aufweisen. Es ist nur die Frage, wer mit welchem Ziel und mit welchem Aufwand die Suche betreibt. Wer solche Werkzeuge baut und auf sie vertraut nimmt deren Missbrauch nicht nur billigend in Kauf sondern spekuliert mit dem Missbrauch, wenn er ihn nicht selbst betreibt.

    Als Horst Herold (ehemaliger Chef des BKA in den 70er Jahren) die Terroristensuche mit Hilfe der Methoden der Rasterfahndung einführte, entdeckten die Mathematiker/Informatiker seiner Zeit sehr bald, dass die Bevölkerung der halben Bundesrepublik im Raster auffällig wurde… – Das Problem aber ist ein ganz anderes, denn hier werden die Grundwerte der Rechtsstaatlichkeit und Verfassungsmäßigkeit und damit die Integrität der Demokratie angegriffen. Die mathematischen Possenspiele verharmlosen diese Tatsache, weshalb ich Sie nur auf das Schärfste verurteilen kann! In diesen Tagen brauchen wir keine Verharmlosung sondern höchste Wachsamkeit und Entschlossenheit, unsere Demokratie wehrhaft zu machen gegen die Angriffe, die immer häufiger und ständig frecher werden… (weiteres auch auf meinem Blog http://glotzbox.de/demokratie/2013/im-jahr-eins-nach-snowden-2386/ )

    Die Berliner Zeitung vom 04.08. bringt es auf einen Punkt: „Entweder haben die Geheimdienste ein solches Eigenleben entwickelt, dass sie auch die Bundesregierung im Dunkeln über ihr Tun lassen können. Oder die Regierung täuscht die Öffentlichkeit. Beides wäre ein Skandal.“ Und beides braucht Aufklärung!

    • Mirko Novakovic

      8. August 2013 von Mirko Novakovic

      Carlo, habe mal in Deinem Blog gelesen und finde Deine Sichtweise gut und wichtig in diesem Prozess der gerade läuft.

      Der Punkt auf den ich hinweisen wollte ist sehr einfach: Egal wie viel mitgehört und aufgezeichnet wird, es wird nur ein sehr kleiner Teil von Menschen ausgewertet werden können. Ich gehe davon aus, dass es maximal ein paar Hundert/Tausend Mails/Blogs/Tweets & Co am Tag sein können, die die NSA oder sonstige Institutionen auswerten können.

      Wenn also Deine Annahme stimmen würde und praktisch jeder in die „Rasterfandung“ der NSA fällt, dann wäre das System technisch gesehen „kaputt“ bzw nutzlos. Wenn wir die knapp 150 Milliarden Mails + Milliarden von Telefongesprächen + Milliarden von Facebook Nachrichten *pro Tag* sehen und dann die paar Tausend möglichen Untersuchungen dagegen halten, dann muss das System sehr gut funktionieren, ansonsten kann man damit nichts anfangen. die Wahrscheinlichkeit, dass man selber betroffen ist, ist deshalb mathematisch sehr klein oder praktisch „Null“.

      Es ist also keine Posse, sondern Teil der Aufklärung.

      Was mit den Daten gemacht wird ist für mich die entscheidende Frage – hierzu habe ich bisher nichts gefunden, auch nicht in den Veröffentlichungen von Snowden. Es wird viel spekuliert, aber wir wissen tatsächlich praktisch nichts. Hier würde ich es wichtig finden, wenn öffentlich gemacht würde, was aufgezeichnet wird und zu welchem Zweck und wer befugt ist diese Daten zu nutzen.

  • Fabian Lange

    Was die reine Datenmenge angeht veranschaulicht dies diese Webseite wohl am Besten:
    http://onesecond.designly.com/

  • Roger Butenuth

    13. August 2013 von Roger Butenuth

    Wenn man Statistiken betrachtet, kann man Terrorismus ja mal mit anderen Gefahren vergleichen: In Deutschland sterben jeden Tag ca. 10 Personen durch den Verkehr. Weltweit sind es über 600.000 pro Jahr.

    Ich halte den ganzen Hype um die Terrorgefahren für vollkommen übertrieben, realistisch gesehen ist die tägliche Fahrt zur Arbeit wesentlich gefährlicher.

    Außerdem: Wer einen Anschlag verüben möchte, den wird man auch mit noch so viel Überwachung nicht sicher vorher entdecken. Man wird auch nie in der Lage sein, unsere gesamte Infrastruktur (Bahnstrecken, Straßen, Stadien, Konzerthallen, Leitungen etc.) flächendeckend zu bewachen.

    Daher wäre es zielführender, die Ursachen von Terrorismus zu bekämpfen, z.B. indem man auf eine Einigung zwischen Isreal/Palästina hinarbeitet.

    PRISM und ähnliche Programme haben mir zu viele potentielle „Nebenwirkungen“: Industriespionage, Gefahr der Verdächtigung unschuldiger Personen, Entdeckung „andersdenkender“ (falls die Demokratie mal nicht so gut funktioniert…).

    • Mirko Novakovic

      13. August 2013 von Mirko Novakovic

      Roger,

      wir sind ja gerade dabei „PRISM“ Systeme zur Vermeidung von Verkehrstoten aufzubauen. eCall ist ein von der EU eingeführtes System, dass ab 2015 in neuen Fahrzeugen Pflicht ist. Ziel ist es Verkehrstote zu minimieren, indem bei schweren Unfällen sofort ein Notruf gesendet wird – inkl der GPS Koordinaten. Wenn man es negativ sieht, dann hätte man damit das beste Überwachungssystem was man sich vorstellen kann, da man die Position von jedem Fahrzeug erfassen und auswerten könnte. Hier beispielsweise ein Szenario, wo die Daten vor dem Familiengericht benutzt werden könnten, um damit zu beweisen, dass der Ehemann bei der Geliebten war: http://www.autobild.de/artikel/ecall-datenschutz-fraglich-2855138.html

      Bin wie gesagt nicht für PRISM, aber wir werden uns mit dem Sammeln und Auswerten von Daten beschäftigen müssen. Dabei wird es positive Ansätze geben, wie „Terror verhindern“ oder „Verkehrstote“ minimieren, aber es wird auch immer negative Punkte geben. Hier müssen klare (internationale) Regeln und Gesetze her.

      Bei der Verhinderung von Terror geht es aus meiner Sicht auch um Abschreckung. Bin Laden lebte in einem Haus ohne Telefon und Internet – sicher nicht ohne Grund. Kommunizieren konnte er nur, in dem er persönlich Personen instruiert hat, die diese Nachrichten dann weiter getragen haben. Aus meiner Sicht schädigt so etwas ein Netzwerk enorm. Was wäre, wenn er über Telefon und Internet frei kommunizieren könnte? Wie viele Leute hätte so jemand dann „steuern“ können?

      Mirko

  • nobody

    Eines der wenigen Dinge, die die USA von Russland oder China unterscheiden, ist, dass die USA sich Demokratie nennen und sich auch noch als deren Verfechter sehen. Leute, mal ehrlich: Demokratie ist Idealismus. Indem Snowden in Russland Asyl kriegt, wischt Russland den USA eins aus, und das machen die gerne. Und es musste das einer veröffentlichen, denn sonst hätte keiner darüber geredet. Und vielleicht war das ja Snowdens Ziel: das man über die Überwachung redet und die USA unter Druck setzt. Dass es vielleicht besser wird. Was nicht passieren wird, aber vielleicht sehen die Menschen jetzt endlich ein, dass sie den USA nichvertrauen dürfen, dass an denen nichts toll ist und dass sie uns nur von vorne bis hinten verarschen und ihre Vormachtstellung in der Welt ausnutzen, um auch noch den letzten Mist durchzusetzen. Außerdem hat Russland keinen Auslieferungsvertrag mit den USA und war näher an Hong Kong und das näher an Hawaii als z. B. Ecuador oder Nicaragua.

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