Wie der Raspberry Pi 2 einen lang gehegten Wunsch erfüllte

4 Kommentare

Eines meiner Hobbys ist die Fotografie. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich als kleiner Junge auf der Kamera, die mein Vater meiner Mutter in den 1960er Jahren schenkte.

Agfa2

Diese hatte noch keinen Belichtungsmesser und daher gab mir mein Vater Tipps, welche Blende man bei welchen Lichtverhältnissen einstellen sollte. Meiner Mutter hatte er schon eine kleine Anweisung in die Schutzkappe geklebt.

Zettel

Die Notiz ist etwa 50 Jahre alt, und wenn man die Handschrift meines Vaters sieht, weiß man, warum er noch heute auf Familienfeiern die Tischkärtchen schreiben muss!

Danach durfte ich dann die erste Nikon-Kamera meines Vaters nutzen, und damit lernte ich auch wieder eine Menge über Verschlusszeit, Bildaufbau, Schärfentiefe oder ISO-Zahlen. Neben den normalen Motiven und Anwendungsbereichen experimentierte ich aber immer gerne damit herum. Langzeitbelichtungen, doppelte Belichtungen oder Schwarzweiß-Fotografie, um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Wood-Effekt

Als in den 1980er Jahren eine meiner damaligen Lieblingsbands U2 ihr viertes Studioalbum The Unforgettable Fire herausbrachte, sah ich etwas, was ich bis dato nicht gekannt oder gesehen hatte. Ihr müsst auf den Link klicken, um das Cover zu sehen; aus rechtlichen Gründen wollte ich es nicht direkt verlinken.

Das  Cover zeigt die Band vor einem Schloss in Irland. Die Aufnahme ist ein schwarzweißes Infrarotfoto des niederländischen Fotografen Anton Corbijn und zeigte mir das erste Mal, was man allgemein den Wood-Effekt nennt. Benannt ist er nach seinem Entdecker Robert Williams Wood. Dabei wird für unser Auge sichtbar, dass alle Pflanzen das Sonnenlicht, das sie für die Photosynthese benötigen, reflektieren, da die Sonnenstrahlen sie sonst „verbrennen“ würden. Apropos verbrennen, der Titel des Albums bezieht sich auf eine Kunstaustellung von Bildern, die Überlebende der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki malten.

Leider wurde mir damals klar, dass das eigene Experimentieren im Infrarotbereich viel zu kostspielig geworden wäre, so dass ich mich zunächst auf das Betrachten solcher Fotografien beschränken musste. Immerhin war ich ein Teenager mit einem normalen Taschengeld, und Fußball hatte ich auch noch im Kopf!

Von analog nach digital nach analog

Irgendwann hielt die digitale Fotografie Einzug, und seitdem ist es schon erstaunlich zu beobachten, mit welcher Qualität heutige Handys Fotos machen können. Die digitale Fotografie brachte auch wieder einige interessante Themen mit sich, sei es das Erstellen von Panoramafotos, High Dynamic Range (HDR) oder Zeitrafferaufnahmen; dies haben Handys heute mehr oder weniger gut drauf. Das Cover, das ich 1984 betrachtete, war noch auf einer Langspielplatte. Es ist interessant, dass heute analog wieder modern ist. Das gilt für Vinyl, wie für die analoge Fotografie, die momentan eine Renaissance erlebt.

Das Projekt

Als dann Anfang des Jahres der Raspberry Pi mit einem neuen Modell aufwartete und ich auch einen Blick auf die lange Zubehörliste warf, fiel mir die NoIR-Kamera ins Auge. Die Kamera nennt sich so, weil sie infrarote Fotos machen kann. NoIR steht nur dafür, dass es keinen Sperrfilter für infrarotes Licht gibt.

Das Licht sind elektromagnetische Wellen, von denen wir nur einen begrenzten Teil wahrnehmen können. Der kurzwellige UV-Bereich sowie der langwellige Infrarot-Bereich bleiben für uns verborgen. Die Sensoren einer Kamera können dieses Licht aber sehr wohl erfassen. Daher werden die Kameras mit einem Sperrfilter versehen, der nur das Licht durchlässt, das wir wahrnehmen können.

Zurück zum Pi 2. Ich bestellte mir den Pi 2 plus Zubehör mit dem Vorhaben, damit infrarote Fotos aufzunehmen. Die Ausstattung umfasste neben dem Pi 2 eine microSD-Karte für das Betriebssystem, die Kamera, ein Gehäuse und einen Stromanschluss. Um später auch draußen die Kamera einsetzen zu können, brauchte ich noch eine Powerbank und einen schon vorhandenen WLAN-Adapter.

Der Pi 2

Der Pi 2 kommt wartet im Vergleich zum Vormodell mit einem 900 MHz getakteten Quad-Core ARM Cortex-A7 Prozessor auf und verfügt über ein Gigabyte Arbeitsspeicher. Das Vormodell bietet einen 700 MHz getakteten Single Core ARM1176JZF-S Prozessor und nur halb so viel Arbeitsspeicher. Durch die höhere Leistung liegt die Leistungsaufnahme beim Pi 2 bei maximal 4 W, während der Vorgänger noch mit 2,5 bis 3 W zufrieden war. Seine Abmaße entsprechen denen des Vorgängers:

85mm x 56mm x 17mm (L x B x H)

Anschlüsse

Stefan Blank

Ich blicke auf eine über 25-jährige Erfahrung im Bereich Dokumenten- und Input-Management zurück. Als Kofax Certified Capture Consultant biete ich eine umfassende Kenntnis der Kofax-Produktpalette und -Technologien. Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist dabei die Ermittlung und Bewertung von Kundenanforderungen und die Verantwortung für Konzeption und Realisierung basierend auf den Möglichkeiten des Standard-Software-Produkts (Customising und Software-Entwicklung).

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Kommentare

  • Sergej

    1. Juni 2016 von Sergej

    Hallo Stefan,

    zunächst einmal vielen Dank für diesen Mega Beitrag! Als Hobby-Fotograph und RasPI Fan, hast du mein Geschmack voll getroffen 🙂
    Die Fotos sind jedenfalls sehr gelungen und wirken sehr Professionell. Das die mit einem RasPI gemacht wurden, sieht man denen auf jeden Fall nicht an!

    Allerdings interessieren mich brennend zwei Sachen:
    1. Kannst du bei den Fertigen Fotos die Blende/Verschlusszeit/ISO einstellen?
    2. Warum hat dir dein Vater eine Blende 5,6 bei schwacher Sonne empfohlen? 🙂 Ich verwende da meistens eine größere Blende.

    Gruß
    Sergej

    • Stefan Blank

      2. Juni 2016 von Stefan Blank

      Hallo Sergej,

      danke für dein Lob, das freut mich sehr.

      Nur damit du das auch richtig verstehst, der RasPi war für mich der Einstieg in das mich immer interessierende Thema der Infrarot-Fotografie. Nachdem ich die ersten Fotos mit dem RasPi gemacht hatte, habe ich mir einen Nikon Body gekauft und diesen definiert umbauen lassen. Das Ergebnis mit dieser Kamera siehst du bei den letzten vier Fotos! Ich habe mir die Kamera auf 580 nm – Farbinfrarot – umbauen lassen und arbeite zusätzlich mit einem 720 nm und 850 nm Schraubfilter und kann so die Kamera in ihrer Infrarot-Definition ändern. Der Nachteil bei der Arbeit mit Filtern ist aber, dass du dann den Sucher nicht mehr nutzen kannst. Das geht bei 580 nm, aber sobald ein Filter aufgeschraubt wird, musst du den LiveView Monitor nutzen. Und damit kommen wir dann zum zweiten Problem, dem Autofokus. Der ist bei der Benutzung des LiveView-Monitors manchmal nicht genau, so dass man hier und da Ausschuss hat. Daher werde ich mir irgendwann meinen eigentlichen Nikon Body auf schwarzweiß Infrarot umbauen lassen. Das gefällt mir persönlich immer noch am besten.

      Zu deinen Fragen. Ich habe lediglich bei den mit der umgebauten Nikon Kamera gemachten Fotos EXIF Daten, die ich heranziehen könnte. Das beträfe dann wie gesagt die letzten vier Fotos des Blog-Artikels. Wenn dich diese interessieren, dann antworte mir bitte, dann suche ich die raus und aktualisieren den Artikel.

      Was die Empfehlung bei schwacher Sonne angeht. Zunächst war diese Vorgabe für meine Mutter, die mit der Kamera fotografiert hat, bevor ich überhaupt das Licht der Welt erblickte. Die Agfa Silette kannte nur drei Verschlußzeiten 1/30, 1/60 und 1/125 Sekunde und hatte keine Belichtunsmesser. An der Kamera hat man aber nur die Blende eingestellt. Und wenn du dir das noch mal ansiehst, dann steht bei Blendenzahl 5,6 Bewölkung. Bei schwacher Sonne 8 und bei starker Sonne 8 bis 11; also ich denke das passt.

      „Wenn die Sonne lacht, Blende acht!“

      • Mark Orler

        12. August 2016 von Mark Orler

        Hallo Stefan

        Ich bin gerade per Zufall über deinen Beitrag gestolpert und mir ist aufgefallen, dass du das Kameramodul mit einem Flachbandkabel am Pi angeschlossen hast.
        Ich hätte da vlt. was für dich. Es gibt einen Adapter von Flachbandkabel auf HDMI
        https://www.tindie.com/products/freto/pi-camera-hdmi-cable-extension/
        ich habe mir diese bestellt und mit einem 5m HDMI Kabel getestet. Es funktioniert mit der Pi Kamera wie auch mit dem Orginalen 7″ Display von raspberry pi.
        Im Preis von 14$ sind zwei Adapter enthalten. Ich denke es wird sich lohnen da das Flachbandkabel ja relativ anfällig ist.
        Gruss Mark

        • Stefan Blank

          12. August 2016 von Stefan Blank

          Hallo Mark,

          in der Tat, das ist schon eine sinnvolle Ergänzung, wenn man die Kamera am Pi intensiv nutzt. Mittlerweile fotografiere ich aber nicht mehr mit dem Pi, sondern einer umgebauten Kamera.

          Trotzdem Danke!

          Gruß

          Stefan

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