Atlassian kündigt Einstellung der Server-Lizenzen an – eine Reise Richtung Cloud-first

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Kürzlich verkündigte Atlassian in einem Blogpost die Einstellung des Verkaufs neuer Server-Lizenzen, beginnend am 02. Februar 2021. Es ist die konsequente Fortsetzung, als Unternehmen den Fokus auf eine Cloud-first-Strategie zu legen.

Nach weiteren drei Jahren wird der Support für alle Server-Produkte offiziell eingestellt. Zwangsläufig wird sich jeder Server-Kunde mit der Frage beschäftigen müssen, wohin die Reise in den kommenden drei Jahren gehen soll. Wir geben einen Überblick über mögliche Handlungsoptionen.

1. Option: (schnellstmöglich) zu Cloud-Produkten migrieren

Eine Maßnahme hinsichtlich der Atlassian Cloud-first-Strategie ist das bestehende Server-Produkt schnellstmöglich auf Cloud zu migrieren. Schnellstmöglich heißt, dass man die Migration schon bis Mitte oder spätestens Ende 2021 abgeschlossen hat.

Voraussetzung

Diese Option setzt unter anderem voraus, dass Daten interner Systeme laut Firmenrichtline in einer Cloud gespeichert werden dürfen. Gibt es Vorschriften bezüglich der Datenlokalität (z.B. die Daten sollen Deutschland nicht verlassen), wird dies in der Atlassian Cloud Enterprise zugesichert. Unabhängig davon ist zu beachten, dass App-Hersteller aus dem Marketplace Daten anderswo speichern können. Weiterhin ist das aktuelle App-Angebot für Cloud weniger umfangreich als das Server-Angebot. Das impliziert, dass man nicht von Funktionlitäten von Apps abhängig ist, die noch nicht im Cloud-Marketplace zur Verfügung stehen.

Vorteile

  • Erweiterter Funktionsumfang im Standard (zB. Conditions, Validatoren, Roadmaps….)
  • Auslagerung des Betriebs und der zugehörigen Kosten
  • Automatische Updates von Produkten & Apps
  • Möglicherweise geringere Lizenzkosten
  • Erstellungen eigener abgetrennter Sites (z.B. für Unterorganisationen)

Um die Migration auf Cloud noch attraktiver zu machen, bietet Atlassian für bis zu 12 Monate freie Migrations-Lizenzen an, um Cloud evaluieren zu können.

Nachteile

  • DSGVO-Konformität aktuell nur im Enterprise Plan (größtenteils)
  • Derzeit eingeschränktes App-Angebot im Vergleich zu Server
  • Aktuell eingeschränkte Integration von Apps
  • Migrationsaufwand

Kosten

Eine pauschale Aussage ist hier schwer zu treffen. Kosteneinsparungen sind zum einen möglich, da Kosten für den eigene Betrieb und Hosting in einer SaaS-Lösung inkludiert sind.

Der Aufwand und die damit verbundenen Kosten für die Migration auf Cloud hängen stark von der Komplexität des Systems ab und sollten im Vorfeld geprüft werden.

Umsetzung

Mit dem Server to Cloud Migration Guide stellt Atlassian eine Auswahl wichtiger Informationen und Tools für eine Migration bereit.

2. Option: zu Data Center wechseln

Mit dem Auslaufen der Server-Variante bei Atlassian verbleibt den Kunden mit Data Center weiterhin eine On-Premises-Deployment-Variante, die sämtliche Server-Funktionen umfasst und um Funktionalitäten für Großkunden erweitert wird.

Voraussetzungen

Mit einer bestehenden Server-Installation kann durch wenige Konfigurationsänderungen bereits eine Single-Node-Version von Data Center realisiert werden. Dafür notwenig sind der Kauf der entsprechenden Data-Center-Lizenzen für die Applikation und etwaiger Apps.

Wer sich für eine Data-Center-Umgebung entscheidet, ist hinsichtlich Hosting flexibel: Hosting im Rechenzentrum oder in der Cloud. Einen Überblick und weiterführende Links bietet die Seite „Atlassian Data Center architecture and infrastructure options„.

Vorteile

  • Daten und Applikation bleiben unter eigener Kontrolle.
  • Die UI ist identisch mit der Server-Variante.
  • Umstieg kann im Single-Node-Betrieb quasi sofort mit wenigen Konfigurationsanpassungen erfolgen.
  • Keine Migration der Daten nötig.
  • Im Clusterbetrieb:
    • Zero-Downtime Updates
    • Performance und Skalierbarkeit
  • Echte Archivierung von Bereichen und Projekten in Confluence und Jira
  • Data Center-Varianten von Apps müssen höheren und getesteten Qualitätsansprüchen genügen.
  • Für AWS gibt es fertige Templates zum Deployment.

Weitere (auch kommende Features) können unter der Roadmap für Data Center eingesehen werden.

Nachteile

  • Lizenzen fangen bei höheren Benutzerzahlen an: 500 Benutzer bei Jira Software und Confluence, 50 Agenten bei Jira Service Management (ehemals Servicedesk).
  • Höhere Anschaffungs-, Einrichtungs- und Betriebskosten für die Infrastruktur beim Betrieb als Cluster
  • Zukünftig weniger neue Funktionen im Vergleich zur Atlassian Cloud

Kosten

Beim Vergleich der Preise von Server und Data Center ist vor allem zu beachten, dass es sich bei Data Center nicht um eine Kauflizenz handelt, sondern um eine jährlich fällige Mietlizenz (engl. annual subscription). Ohne gültige Lizenz funktioniert Data Center nicht!

Die derzeitigen Kosten für die Lizenzierung liegen im Vergleich zu Server höher, je mehr Benutzer lizensiert werden müssen.

Ab dem 2. Februar 2021 wird der Funktionsumfang von Data Center an Atlassian Cloud Premium angepasst und damit der Preis für Neukunden und Server-Umsteiger deutlich erhöht. Eine Übersicht und allgemeine Fragen zu Preisen und Lizenzierung sowie den Preisänderungen ab 2. Februar findet man unter Data Center-Lizenzierung und Überblick und FAQ zu den neuen Data Center-Preisen.

Umsetzung

Aufgrund der zum 2. Februar genannten Preiserhöhung ist die Single-Node-Variante eine gute Möglichkeit schnell umzustellen, um bei den Lizenzkosten zu sparen. Wer echte Clusterfähigkeit haben möchte, muss dann aber im Nachgang entscheiden, ob in Eigenregie oder bei einem Anbieter im Rechenzentrum oder ggf. bei einem Cloud-Provider gehostet wird und wie dann dorthin zu migrieren ist.

Zur Planung und Umsetzung der Infrastruktur bietet Atlassian einige Ressourcen und unterstützt bei vorhandener Lizenz auch seitens des Atlassian Support. Natürlich bieten Atlassian Partner wie die codecentric AG ebenfalls ihre Unterstützung durch erfahrene Consultants an.

Wer sich selber tiefer auch mit technischen Fragen auseinandersetzen will – technische Dokumentation zu Data Center ist über die Seiten Atlassian Enterprise documentation oder Atlassian Enterprise abrufbar.

3. Option: (vorerst) auf Server bleiben

Atlassian gibt seinen Kunden mit mehr als drei Jahren ausreichend Zeit, um sich ausgiebig Gedanken zu machen. Es spricht also erstmal nichts dagegen, den Betrieb (vorerst) auf Server weiter laufen zu lassen.

Voraussetzungen

Man nutzt bereits ein Server-Produkt, daher ist die Voraussetzung erfüllt. Es muss aber gewährleistet sein, dass die nötige Infrastruktur auch in den kommenden (maximal drei) Jahren betrieben werden kann. Zu beachten ist außerdem, dass eine Änderung der Benutzerzahl (User Tier) das letzte mal Anfang 2022 möglich sein wird.

Vorteile

  • Alle eingesetzten Apps bleiben erhalten.
  • Nutzer haben mehr Zeit, um sich mit einem Wechsel auseinander zu setzen.
  • Man kann von Erfahrungen von „First-Movern“ profitieren.
  • Cloud wird sich weiter entwickeln und aktuelle Showstopper (Data Residency, App-Verfügbarkeit, …) sind vielleicht schon bald gelöst

Nachteile

  • Viele neue Features werden wahrscheinlich nicht mehr für Server released werden (Beispiel Next-Gen-Projekte oder die neue Issue View).
    • Das gleiche gilt wahrscheinlich auch für Apps, weil sich Partner ebenfalls stärker auf Cloud fokussieren werden.
  • Je länger der Betrieb auf Server weiter läuft, desto abhängiger wird man bzw. ein Wechsel wird schwieriger (Daten-Migration, App-Abhängigkeiten).
  • Von Rabatt-Aktionen für frühzeitige Wechsler kann möglicherweise nicht profitiert werden.

Kosten

Die neue Preisübersicht kann hier eingesehen werden. Bei rechtzeitiger Handlung kann der aktuelle Preis für bis zu 24 Monate gesichert werden. Die Kosten für Apps werden nicht von Atlassian vorgegeben, sondern liegen im Ermessen des jeweiligen Partners. Hier sind weitere Preiserhöhungen nicht auszuschließen.

Umsetzung

Bis Ende 2020 sollte entschieden werden, ob man für weitere 12 oder sogar direkt 24 Monate verlängern möchte, um so den aktuellen Preis garantiert zu bekommen.

4. Option: nach alternativen Produkten umschauen

Falls keine der oben genannten Optionen als eine gangbare Lösung erscheinen, kann es sinnvoll sein, sich nach einem alternativen Produkt mit möglichst ähnlicher Funktionalität umzusehen. Ein Lösung, die den Status Quo und zugehöriges Customizing 1 zu 1 abbildet, wird man am Markt derzeit nicht finden.

Der nächstmögliche Weg wäre ein Wechsel auf ein System, das bereits im Unternehmen in anderen Organisationseinheiten etabliert ist. Dennoch ist hier ein genauer Abgleich der Funktionalität zu empfehlen. Auch hier ist zu bedenken, dass sowohl etablierte als auch neue Lösungen, die derzeit den Markt erobern, oft als SaaS-Lösungen und nicht on premises in Selbstverwaltung verfügbar sind.

Für kleine Teams und Organisationen bis 50 Usern lohnt es sich das Tool awork zu evaluieren. Funktional ist dieses Produkt „out of the box“ mit Jira vergleichbar und besitzt zudem ein sehr userfreundliches UI mit vielen Integrationsmöglichkeiten. Hier haben wir zudem den Vorteil ein Produkt in der „deutschen“ Cloud vorzufinden in der alle DSGVO-Vorschriften umgesetzt sind.

Fazit:

Trotz oder gerade wegen aller Unsicherheiten und verschiedenster Handlungsoptionen ist es ratsam, Ruhe zu bewahren. Atlassian selbst empfiehlt Kunden, die derzeit Server-Produkte einsetzen, Cloud-Produkte in Ruhe zu testen und Anwender mit der erneuerten Haptik vertraut zu machen. Das erhöht die Akzeptanz und das Vertrauen, falls ein Wechsel vollzogen wird. Nutzen Sie die Möglichkeit dieser kostenlosen Cloud-Trial-Lizenzen für die Restlaufzeit Ihrer Server oder DC-Lizenzen bis zu 12 Monate.

“Don’t #@!% the customer“ ist immer Leitsatz von Atlassian und wir glauben auch jetzt fest daran, dass alle Herausforderungen in naher Zukunft gelöst werden.

Alle oben genannten Handlungsoptionen sind als Übersicht und grobe Unterteilung zu verstehen – jede Situation sollte einzeln bewertet werden. Wir unterstützen dabei gern! Kontaktieren Sie uns hier.

Das codecentric Atlassian-Team

Adrian Voigt

Adrian hat BWL in Rosenheim bei München studiert und begann danach im Sales und Business Development in der IT-Dienstleistung. Seit Anfang 2020 ist er bei der codecentric. Die aktuellen Schwerpunkte liegen im Bereich Kunden- und Partnerbetreuung zu Themen rund um die Produkte von Atlassian und Azure von Microsoft.

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Kommentare

  • David

    „#@!% the customer“ ist genau das, was Atlassian damit macht. Erst Stabilität / Verlässlichkeit vorheucheln und dann den Sack zu machen. Okay, wenn man die Software für kritische Daten nutzt, ist man vielleicht auch selbst schuld, aber Cloud ist eher nicht. Dann halt noch abkassieren (deutlich weniger als 500 Lizenzen… noch nicht mal dreistellig).

    Am besten nur noch Open Source – dann schaut der Laden irgendwann in die Röhre.

    • Adrian Voigt

      13. November 2020 von Adrian Voigt

      Hallo David, wir können verstehen, dass diese angekündigten Veränderungen für einige Kunden große Herausforderungen und Unsicherheit mit sich bringen. Wir verstehen aber auch Atlassians Strategie in Richtung Cloud First. Die Änderungen greifen aber nicht heute auf Morgen, sondern es bietet sich ausreichend Zeit, um für verschiedene Anwendungsszenarien gute Lösungen zu finden.

      Gerne können wir uns in einem Gespräch über deinen persönlichen Anwendungsfall und deine Handlungsoptionen austauschen. Komm gerne auf mich zu!

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