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Der ScrumMaster ist nicht dein Freund!

18.10.2011 | 3 Minuten Lesezeit

Im Rahmen der Unconference ALE2011 in Berlin fand eine Open Space Session mit dem Titel „How to get developers‘ buy-in when introducing Scrum in a chaotic environment?“ statt. Während einer Betrachtung der Rolle des ScrumMasters habe ich den Satz „Der ScrumMaster ist nicht der Freund des Entwicklungsteams!“ propagiert. Meine etwas provozierende Formulierung soll ein falsches Bild der ScrumMaster Rolle aufzeigen, welches mir immer wieder begegnet. Der ScrumMaster ist meiner Meinung nach eben nicht der Freund des Entwicklungsteams, der dieses vor dem unangenehmen (sogar teilweise feindlich betrachteten) Product Owner, Stakeholder, Managern, Vertriebsmitarbeitern und Anwendern beschützt oder gar vollständig abschirmt. Es kann vorkommen, dass er genau diese Position einnimmt, dies ist aber eher selten der Fall und sollte nur einen Sonderfall darstellen.

Die eigentliche (und einzige) Verantwortung des ScrumMasters ist es, die kontinuierliche Produktivität des gesamten Scrum-Teams (und nicht nur des Entwicklungsteams) sicherzustellen und möglichst zu steigern. Alle konkreten Aufgaben, die ein ScrumMaster hat, lassen sich darauf zurückführen. Dies sollte bei der ScrumMaster Rolle nie aus den Augen verloren werden und lässt sich gut an den typischen Aufgaben eines ScrumMasters aufzeigen:

Eine Aufgabe des ScrumMasters ist es, das Entwicklungsteam vor externen Störungen zu schützen. Dies soll den Mitgliedern des Entwicklungsteams ermöglichen, sich auf die aktuelle Aufgabe zu fokussieren und so ihre Produktivität zu steigern. Aber nicht alles was das Entwicklungsteam als Störung empfindet, reduziert im Endeffekt die Produktivität. Das kann auch den gegenteiligen Effekt haben: z. B. intensive Kommunikation mit der „Außenwelt“, wie Feedback von Anwendern, ist grundsätzlich erwünscht und steigert die Produktivität.

Bei der Aufgabe als Wächter und Förderer des Scrum Prozesses kommt der Produktivitätsgedanke auch zum Tragen. Durch die Förderung des Scrum Prozesses werden die agilen Werte und Prinzipien gefördert, dies steigert wiederum langfristig die Produktivität.

Eine weitere Aufgabe ist es, die Einhaltung von Vereinbarungen/Regeln (sowohl der projektinternen als auch der externen) zu überwachen und ggf. einzufordern.  Dies kann vom ScrumMaster bei entsprechendem Fehlverhalten auch erfordern, unfreundlich aufzutreten. Das kann jede Rolle treffen, auch die des Entwicklungsteams. Dies dient im Grunde ebenfalls der Produktivität, da durch die Vereinbarungen und Regeln verhindert wird, dass immer wieder die gleichen Diskussionen geführt werden.

Die Steigerung der Produktivität durch das Ausräumen von Impediments ist offensichtlich. Dies gilt aber auch für Unterstützung jeglicher Art, die der ScrumMaster anderen Projektbeteiligten, allen voran dem Product Owner, bietet. Zum Beispiel wenn er dem PO bei der Pflege des Product Backlog hilft, dem Personalmanager zu Mitarbeiterbeurteilungen verhilft, dem Mitarbeiter aus der FiBu die Reisekostenabrechnungen erklärt oder dem Manager aus der Fachabteilung erklärt, wie er Einfluss auf die Priorisierung nehmen kann.

Eine Aufgabe, welche oft untergeht, ist die Moderation von Meetings und Diskussionen. Unmoderierte Meetings und Diskussionen sind meist ineffizient und da der ScrumMaster oft nicht direkt in den besprochenen Themen involviert ist, kann er sehr effektiv moderieren. Daraus ergeben sich aber auch die Ausnahmen: sollte er zu stark in das Thema der Diskussion involviert sein, ist es sinnvoll, dass jemand anders die Moderation übernimmt. Auch wenn sich eine gewisse Diskussionskultur entwickelt hat, die eine Moderation nicht mehr notwendig macht (z.B. beim Standup Meeting), sollte man diese dann auch weglassen.

Wenn man nun nie aus den Augen verlieren soll, dass sich der ScrumMaster um die Sicherstellung und Steigerung der Produktivität bemühen soll, kann er nicht nur der Freund des Entwicklungsteams sein. Er muss dem gesamten Prozess/Projekt positiv gegenüberstehen und dementsprechend mit allen Projektbeteiligten sinnvoll agieren.

Begegnet Euch auch die Vorstellung des ScrumMasters als „Wohlfühl“-Manager nur für das Entwicklungsteam? Oder sind eure ScrumMaster ein Freund des gesamten Prozesses?

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