Agile Testing Days 2010 – eine weibliche Sicht

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In letzter Zeit wurde ich häufig gefragt, wie ich als Frau in der Männer-IT-Welt zurecht komme. Dies musste ich immer mit einem Schmunzeln beantworten, denn ich finde es sehr angenehm mit meinen männlichen Kollegen zusammenzuarbeiten. Auf dem Weg zu den Agile Testing Days in Berlin machte ich mir deshalb keine eingehenden Gedanken über die anderen Teilnehmer der Konferenz, die ich jedoch größtenteils als Männer erwartete. Um so überraschter war ich, dass sich diese Erwartung nicht bestätigte.

Es war eine große Anzahl an weiblichen Teilnehmern angereist und auch die Speaker waren nicht nur rein männlicher Natur. 6 von insgesamt 9 Tutorials und auch 6 von insgesamt 9 Keynotes wurden von Frauen vorgetragen. It’s fascinating! um es mit Elisabeth’s Worten zu sagen, die eine sehr schöne Keynote zum Schluss des Tages gehalten hat. Scheinbar scheint das Testthema ein wenig mehr anziehender auf Frauen zu wirken, als andere IT-Themen.
3 Keynotes von 3 für mich außergewöhnlichen und unterschiedlichen Vortragsweisen möchte ich gerne kurz wiedergeben.

Den Tag begann Lisa Crispin mit ihrem Vortrag über Defect Tracking Systems (DTS) in der agilen Welt. Aus der traditionellen Sicht ist ein DTS eine Möglichkeit seine Bugs zu dokumentieren, damit das Team weiß, welche Fehler es zu beheben hat. Man kann es auch zur Auswertung nutzen, um Statistiken über die bestehenden Fehler zu fahren. Aus der agilen Sicht ist es jedoch vergeudete Zeit, seine Bugs in der Art zu dokumentieren. Treten Fehler auf, werden sie direkt behoben und mit der Anwendung von TDD sollten Fehler schon behoben werden bevor sie überhaupt auftreten. Lisa Crispin bringt als Vorteile für DTS an, dass es für verteilte Teams gut funktionieren kann, der Kunde eine gute Sichtbarkeit auf die Qualität seines Produktes hat und es als Wissensbasis, z.B. für Release Notes, genutzt werden kann. Dahingegen führt sie als Nachteile an, dass es ein ziemlicher Overhead ist, es quasi dazu führt, dass der Inhalt von Tests dupliziert wird und dass die Kommunikation stark darunter leidet. Ihrer Meinung nach sollte Fehlervermeidung an erster Stelle stehen! Trotzdem sollte man nach einer angemessenen Lösung für sich und sein Team suchen, nachdem man seine Bedürfnisse verstanden hat. Meiner Meinung nach, sollte ein einfacher Fehler, wo derjenige der ihn findet sowieso schon die Lösung weiß, nicht den Weg in ein DTS finden. Fehler, wo man womöglich eine Designänderung anstreben muss und keine sofortige Codeänderung möglich ist, sollten als UserStory in das Product Backlog aufgenommen werden.

Linda Rising hat eine sehr beeindruckende Vortragsweise. Mit ruhiger und wohl intonierter Stimme bringt sie ihren Standpunkt an das Publikum. Dieser war in ihrer Keynote folgender: Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir uns und andere täuschen und das fortwährend! Denn wir sind optimistisch, emotional und filtern verschiedene Informationen, die wir nicht wahr haben wollen, heraus. Ein Beispiel von Linda war ein Szenario, in welchem die Tante ein Weihnachtsgeschenk überreicht. Wer kann sich nicht erinnern, dass er dann sagen musste: „Das ist aber ein schönes Geschenk. Vielen Dank!“, obwohl es der hässlichste Pulli war, den man jemals bekommen hat? Aber in manchen Situationen ist es in Ordnung, andere oder auch sich selbst zu täuschen. Das wiederum hat jedoch Auswirkungen auf unsere Schätzungen von Entwicklungszeiten. So ist es gut, dass wir alle verschiedene Personen sind und somit auch verschiedene Filter auf unsere Umwelt anlegen und im Planungsmeeting zusammensitzen. Es war ein sehr beeindruckender Vortrag für mich, da ich Linda Rising noch nie live erlebt habe. Dieses nicht technische Thema hat mich sehr gefesselt und hilft mir, und ich hoffe auch anderen, Dinge, die uns in der technischen Welt widerfahren, besser zu verstehen.

Die letzte Keynote des Tages war von Elisabeth Hendrickson. Sie ist eine sehr angenehme Persönlichkeit mit einer außergewöhnlich lebhaften Vortragsweise. I like it! Ihre Keynote handelte über Lessons Learned von mehr als 100 simulierten agilen Übergängen (Transitions). Für die Präsentation hat sie verschiedene Situationen der Simulation mit kleinen Hamstern nachgestellt und Bilder davon gemacht. Es lohnt sich hier einen Blick darauf zu werfen. In den Folien wird auch erklärt wie die Simulationen in mehreren Runden abgelaufen sind. Interessant war dabei für Elisabeth zu beobachten, wie die Teilnehmer in ihren verschieden Rollen agieren und nach und nach die agilen Ideen wiederentdeckten (wie CI und ATDD). Mich hat besonders das vorgestellte Satir Change Model gefesselt.

Wem ist nicht schon mal im Leben ein einschneidendes Erlebnis widerfahren, wo man erst irgendwann nach einem gewissen Hin und Her eine zündende Idee hatte und das Problem in den Griff bekommen hat? Genauso ist es den Teilnehmern der Simulation in Runde 2 ergangen. Es herrschte Chaos und die Arbeitsleistung sank. Irgendeiner hatte eine Idee, z.B. den Code mal ausführen zu lassen, motivierte die anderen und die Arbeitsleistung stieg wieder. Da ich ein visueller Typ bin, fand ich diese Grafik sehr gut, um mir vor Augen zu halten, wie die Performance sinken kann, wenn man sein Ziel aus den Augen verloren hat.

Insgesamt war es ein interessanter Konferenztag für mich und auch für meine männlichen codecentric-Kollegen, die unbedingt bei Elisabeth`s Keynote an einem Bodentank sitzen wollten, da sowohl das iPhone als auch das Android-Handy durch die starke Benutzung verschiedener SocialNetwork-Apps keinen Saft mehr hatten. 🙂

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