Unser Sprint bei Amazon

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Wir hatten ja schon mal hier im Blog über eine Methode berichtet, um eine Sprint-Retrospektive anders zu gestalten. Da ging es darum, den Sprint als Bild darzustellen – Sprint Reflection mal anders. Ich möchte mit diesem Blogeintrag eine weitere Idee für Retrospektiven abseits des klassischen „was lief gut?“ und „was können wir verbessern?“-Flipcharts vorstellen.

Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, eine Retrospektive für eines unserer Scrum Teams zu moderieren. Da ich wenig Vorbereitungszeit hatte, dachte ich zunächst an eine der klassischen Methoden für Retrospektiven*. Morgens beim Kaffee kam mir dann aber die Idee für eine Variation der ich den Titel „Unser Sprint bei Amazon“ gab. Es geht nicht darum einen Sprint zu verkaufen, wie man vielleicht auf die Schnelle vermutet. Nein, es geht um eine Analogie zu Kundenrezensionen und die sind am Beispiel Amazon leicht erklärbar, da sie jeder kennt.

Aber zurück zum Ablauf der Retrospektive: Nach einer kleinen Einstiegsfrage für die Eröffnung der Retrospektive haben wir eine Timeline des letzten Sprints erstellt. Dies diente nur dem Zweck, den Sprint noch mal in Erinnerung zu rufen. Anschließend habe ich den Teilnehmern eine Aufgabe gestellt, die wie folgt lautete:

Stellt euch vor ihr seid bei Amazon und findet dort den letzten Sprint. Es gibt leider noch keine Kundenrezension zu dem Sprint, also schreibt ihr die erste.

Die Teammitglieder sollten in einer Timebox von 10 Minuten eine Amazon Kundenrezension des Sprints schreiben. Dazu gehörten nach meiner Vorgabe:

1. Eine Überschrift für den Sprint
2. 1 bis 5 Sterne für den Sprint
3. Sachen die gut liefen und somit an Leser der Rezension weiterempfohlen werden können
4. Sachen die besser gemacht werden können, an denen man also arbeiten muss

Nach Ablauf der Timebox lasen alle ihre Rezensionen vor bzw. fassten ihre Stichpunkte zusammen. Ich als Scrum Master notierte alle Überschriften und Sterne auf einem Whiteboard. Den Inhalt der Rezensionen, was gut war und was verbessert werden kann, notierte ich ebenfalls in Stichpunkten auf dem Whiteboard.

Die letzten zwei Punkte sind klassisches Information-Gathering. Die ersten zwei Punkte bringen aber meist erstaunliche Ergebnisse. Die Teilnehmer sind beim Erstellen der Überschrift gezwungen, die letzten Wochen auf einen Satz zu komprimieren, was eine extreme Schwierigkeit darstellt. Das fördert die individuelle Reflektion der letzten Iteration und bringt die Meinung des Teilnehmers auf den Punkt. Der zweite Teil, die Bewertung über Sterne, gibt zusätzlich eine extrem komprimierte Information wie der letzte Sprint lief. Zwischen 1 Stern = schlecht und 5 Sterne = hervorragend muss sich jeder festlegen. Die Gründe für die Sternvergabe fließen in die ersten Teile der Rezension. Über die vergebenen Sterne hat man zudem eine einfache Möglichkeit einen Schnitt zu bilden und so den Gesamteindruck des Teams vom letzten Sprint zu erkennen.

Da die notierten Stichpunkte zu zahlreich waren um alle eingehend zu diskutieren, führten wir ein Clustering nach Themen durch. Über die Themen stimmten wir per Dot Voting ab, um die Top Themen zu identifizieren, die eingehender betrachtet werden sollten. Anschließend diskutierten wir die Top Themen, jeweils durch eine Timebox beschränkt, und erarbeiteten Maßnahmen um die Arbeit im Team zu verbessern.

Die Erarbeitung der Maßnahmen soll jedoch nicht im Mittelpunkt dieses Blogbeitrags stehen. Mittlerweile habe ich diese Art von Retrospektiven schon bei mehreren Kunden und bei verschiedenen Teams der codecentric durchgeführt. Sie funktionierte jedes Mal sehr gut und ich kann sie nur weiterempfehlen. Für Kanban Teams kann man eine solche Retrospektive auch machen. Man schreibt dann natürlich nicht über den letzten Sprint, sondern über die Zeit seit der letzten Retrospektive.

 

* Mit klassischen Methoden für Retrospektiven meine ich Methoden wie sie z.B. in „Agile Retrospectives: Making Good Teams Great“ von Esther Derby & Diana Larsen beschrieben werden. Nebenbei: Ein sehr zu empfehlendes Buch für den Einstieg in das Thema Retrospektiven.

 

Christian gehört als Senior Agile Consultant & Coach seit Mai 2011 zum Team der codecentric. Seine Schwerpunkte liegen im agilen Coaching und der Beratung für Atlassian-Produkte. In kleinen und größeren Projekten agiert Christian als Scrum Master oder Product Owner. Im agilen Coaching gibt er seine Erfahrung und Wissen an Kunden weiter. Weiterhin berät Christian Kunden beim Einsatz von Atlassian-Produkten, insbesondere für JIRA und Confluence.

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