Buchrezension: Einfach Programmieren für Kinder

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Ich liebe meinen Job, und ein nicht unwichtiger Teil meiner täglichen Arbeit ist das Programmieren. Programmieren ist toll, es ist kreativ-schöpferisch und zugleich logisch-problemlösend. Immer führen viele Wege zum Ziel, und das Ziel selbst wird dabei immer vielfältiger. Fast alles ist programmierbar, und ich wage mal die Prognose, dass das in Zukunft nicht weniger der Fall sein wird.
Obwohl es stimmt, dass Kinder nicht die geringste Scheu vor elektronischen Geräten haben, ist der Schritt zum Programmieren keiner, der irgendwann automatisch erfolgt. Schließlich können laut einer Studie des Bitkom nur 11 % aller 10-18-Jährigen programmieren. Wie kann man den Spaß am Programmieren am besten vermitteln?
Das Buch „Einfach Programmieren für Kinder“ von Diana und Philipp Knodel stellt sich an den Anfang und möchte eine kindgerechte Einführung in die Thematik sein. Und das ist sehr gut gelungen.

Cover Einfach Programmieren für Kinder

Für wen ist das Buch?

Laut Verlag und Autoren ist das Buch ab 8 Jahren geeignet, und das deckt sich mit meiner Einschätzung. Wichtig ist eigentlich nur, dass das Kind einigermaßen gut lesen kann, weil neben dem Buch selbst auch viele der vertiefenden Aufgaben in Textform vermittelt werden. Das sollte spätestens in der dritten Klasse gegeben sein.
Inhaltlich beginnt das Buch bei null, Vorkenntnisse sind also nicht notwendig.

Wie funktioniert das Buch?

Das Buch funktioniert über

  • liebevoll gezeichnete Charaktere mit hohem Identifikationspotential,
  • einfach durchzuführende Aufgaben, die sehr spielerisch das vermittelte Wissen festigen – auch mithilfe des Smart Phones, und
  • Korrektheit – es wird weder unnötig vereinfacht noch unnötig abstrahiert.

Was beinhaltet das Buch?

Grob teilt sich das Buch in drei Teile. Im ersten Teil wird erklärt, was Programmieren eigentlich ist, was Programme sind, was Programmiersprachen sind, wie man Fehler in Programmen findet und wie Programme auf bestimmte Ereignisse mit Aktionen reagieren können. Dieser Teil des Buches ist m.E.n. sehr stark: Zum einen gelingt es den Autoren, nicht derart tief in Details einzusteigen, dass der Gesamtüberblick verloren geht. Zum anderen werden aber die Begriffe und Konzepte doch korrekt benannt und beschrieben. Ich denke auch, dass die sehr lebensnahen Erklärungen stark für das Thema motivieren und dass in anderen Publikationen dieser Art diese generellen Erklärungen viel zu kurz kommen.
Im zweiten Teil geht es um Variablen und Datentypen. Wie speichert ein Computer Daten, was sind Strings, was sind Integer, was sind Listen? Und im dritten Teil geht es um bedingte Anweisungen, Schleifen und Funktionen. Auch diese beiden Teile sind gut umgesetzt.

Und die App?

In der App gibt es unterschiedliche Spiele, die man in zwei Gruppen aufteilen kann. In der einen Gruppe geht es darum, Wissen durch Wiederholung zu vertiefen, indem man beschriftete Kärtchen irgendwie an- oder zuordnen muss. Das ist kurzweilig, aber auch nicht besonders anspruchsvoll. In der zweiten Gruppe geht es darum, einen kleinen Roboter zu programmieren. Das ist spannend und hilft sehr dabei, Begriffe wie Algorithmus, Events oder Schleifen tatsächlich zu verstehen. Insgesamt steigert eine App natürlich auch die Motivation der Kinder, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Was beinhaltet das Buch nicht?

Es werden zwar Syntaxbeispiele von echten Programmiersprachen gezeigt, aber der/die LeserIn lernt nicht, mit einer konkreten Programmiersprache zu programmieren. Das wäre allerdings auch zu viel für den Anfang. Dafür findet sich am Ende des Buches eine gute Liste mit Anknüpfungspunkten, falls das Interesse geweckt wurde.

Fazit

Ein schönes erstes Buch über das Programmieren, offensichtlich geschrieben von Autoren, die neben dem nötigen Fachwissen auch gute Kenntnisse über die Didaktik in der Arbeit mit Kindern haben. Nicht zuletzt – es ist auch ein Lehrbuch. Wissen wird vermittelt, wiederholt, abgefragt. Zwar in einer unterhaltsamen Form, aber doch auch gut geeignet für den Unterricht. Oder für Programmier-Workshops mit Kindern.

„Einfach Programmieren für Kinder. Mit Buch und Smartphone Programmieren lernen“, erschienen bei Carlsen, 64 Seiten, 14,99 EUR. ISBN: 978-3-551-22077-6

Tobias Flohre

Tobias Flohre arbeitet als Senior-Softwareentwickler/Architekt bei der codecentric AG. Seine Schwerpunkte sind Java-Enterprise-Anwendungen und Architekturen mit JavaEE/Spring. Er ist Autor diverser Artikel und schreibt regelmäßig Blogbeiträge zu den Themen Architektur und Spring. Zurzeit beschäftigt er sich mit Integrations- und Batch-Themen im Großunternehmen sowie mit modernen Webarchitekturen.

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