It Takes All The Winners – Dezentrale Plattformökonomie im Web (Teil 3)

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Teil 3 – Die Gretchenfrage: Plattform oder Ökosystem?

Digitale Plattformen sind ein erfolgreiches Geschäftsmodell in vielen Bereichen geworden. Sie bringen Marktakteure an einem zentralen Ort zusammen und schaffen einen lukrativen Handelsplatz. Eine Plattform in neuen Bereichen zu etablieren, ist daher das Ziel vieler Digitalisierungsprojekte. Das „Winner takes all“-Prinzip der Plattformwelt ist jedoch sehr risikobehaftet. Diese Artikelreihe zeigt eine alternative Option auf.

Im letzten Teil habe ich Web-basierte Ökosysteme als mögliche Alternative zu zentralen Plattformen vorgestellt. Doch wann ist es sinnvoll, ein solches Ökosystem zu etablieren, statt auf eine Plattform zu setzen?

Um diese Frage zu klären, musst du dein Marktumfeld betrachten und entscheiden, welche Ziele du erreichen möchtest. Im Folgenden möchte ich auf einige Gegebenheiten eingehen, die darauf hindeuten, dass ein Web-Ökosystem die richtige Wahl ist:

  1. Partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe soll gewährleistet werden.
  2. Die Abhängigkeiten von bestehenden Plattformen sollen reduziert werden.
  3. Geschäftsmodelle sollen auf innovative Funktionen fokussieren.
  4. Hohe Datensouveränität soll gewährleistet werden.
  5. Die Verantwortung für Datensicherheit soll verteilt werden.
  6. Innovationen sollen ohne zentralen Gatekeeper entstehen können.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Befindest du dich in einem Markt mit mehreren Mitbewerbern, von denen prinzipiell jeder als Betreiber einer neuen, gemeinsamen Plattform in Frage käme? Dann könnte es schwierig werden, deine potentiellen oder tatsächlichen Konkurrenten als Partner zu gewinnen. Warum sollte die Konkurrenz gerade dir diese Vormachtstellung überlassen? Unter solchen Gegebenheiten kann ein Ökosystem die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglichen und Synergien schaffen, wo sonst durch Missgunst Chancen vertan werden.

Wenn du jedoch in der Lage bist, als neutrale Instanz deine Partner unter einer Plattform zu vereinen, kann dies die bessere Wahl sein.

Abhängigkeiten von bestehenden Plattformen reduzieren

Gibt es in deinem Markt bereits eine etablierte Plattform, auf die du angewiesen bist, die aber gleichzeitig deine Innovationsfähigkeit einschränkt? Eine neue Plattform zu etablieren, ist aufgrund des bestehenden Netzwerkeffekts extrem schwierig. Warum sollte man sich von einer Abhängigkeit in die andere begeben? Ein offenes Ökosystem kann echte Alternativen bieten und daher den Markt zu deinen Gunsten kräftig aufwirbeln.

Wenn es jedoch noch keine Plattform gibt und du auch keine ernstzunehmende Konkurrenz auf diesem Gebiet erwartest, könnte dein Unternehmen eine zentrale Plattform etablieren, bevor es jemand anderes tut.

Auf innovative Funktionen fokussieren

Dein Geschäftsmodell sieht neue, innovative Anwendungen vor, die durch hilfreiche Funktionen überzeugen? Der Ökosystem-Ansatz kann dir helfen, diesen Fokus langfristig zu behalten und sich weniger mit Themen Datenschutz (Stichwort DSGVO), IT Security, Datenqualität, Betrugsprävention, Stabilität und Skalierung befassen zu müssen. Fokussiere dein Geschäft stattdessen auf die stetige Verbesserung deiner Dienste und Funktionen.

Wenn dein Geschäftsmodell auf die Erreichung eines Datenmonopols und Lock-In-Effekte abzielt, ist eine Plattform der bessere Ansatz.

Hohe Datensouveränität gewährleisten

Wenn im Markt ein hohes Bedürfnis an der Hoheit über die eigenen Daten besteht, ist es schwierig eine Plattform mit zentraler Datenhaltung zu etablieren. Ein Web-Ökosystem kann dem Bedürfnis gerecht werden und dabei auch mit einer heterogenen Datenlandschaft umgehen.

Wenn die Vorteile der zentralen Zusammenführung und Homogenisierung von Daten überwiegen und die Partner vielleicht sogar froh sind, wenn es dafür eine einheitliche Plattform gibt, dann ist jene die bessere Wahl.

Verantwortung für Datensicherheit verteilen

Eine zentrale Plattform, die Opfer von Cyberkriminalität wird, kann alle Teilnehmenden wirtschaftlich schwer treffen. Das Riskio lässt sich in einem Ökosystem besser verteilen.

Eine Plattform kann andererseits essenzielle Sicherheitstandards durchsetzen, wo einzelne Teilnehmer im Ökosystem eventuell versagen.

Innovationen ohne zentralen Gatekeeper

Wenn Innovationen von verschiedenen Akteuren in den Markt getragen werden sollen, um das Gesamtsystem attraktiver zu machen, bietet ein Web-Ökosystem die dazu nötigen Freiheitsgrade. Es ermöglicht ein schnelles Wachstum, auch unter konkurrierenden Anforderungen.

Eine Plattform ist der richtige Weg, wenn ein hoher Grad von Einheitlichkeit erreicht werden soll und eine zentrale Instanz dazu Vorgaben macht.

Fazit

Die folgende Tabelle fast noch einmal die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammen:

ZielWeb-ÖkosystemZentrale Plattform
Partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, zwischen potentiellen KonkurrentenX
Betrieb einer Plattform ist neutral möglich, keine Konkurrenz zu PartnernX
Die Abhängigkeiten von bestehenden Plattformen sollen reduziert werden.X
Es gibt noch keine Plattform und es wird keine ernstzunehmende Konkurrenz erwartet.X
Geschäftsmodelle sollen auf innovative Funktionen fokussieren.X
Daten- und Infrastruktur-basiertes Geschäftsmodell erwünschtX
Hohes Bedürfnis an Datensouveränität und Verbindung von heterogenen DatenX
Hohes Bedürfnis an zentrale, homogene DatenhaltungX
Die Verantwortung für Datensicherheit soll verteilt werden.X
Verantwortung für Datensicherheit an zentraler Stelle erwünschtX
Innovationen sollen ohne zentralen Gatekeeper entstehen.X
Hoher Grad an Einheitlichkeit erwünschtX

Plattform oder Ökosystem: Wo siehst du die Rolle deines Unternehmens? Wirst du die nächste große Plattform? Beschränkt eine Plattform deine Innovationsmöglichkeiten? Hast du eine tolle Anwendungsidee, aber keine Daten? Willst du deine Daten effektiver nutzen, ohne dich von einer Plattform abhängig zu machen? Schreib uns – wir entwickeln ein Konzept mit dir!

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Angelo Veltens arbeitet als Web-Developer bei codecentric Hamburg. Er begeistert sich sowohl für die Frontend-Entwicklung mit JavaScript, als auch die Backend-seitige Entwicklung mit Frameworks wie Grails oder Spring Boot.
Testautomatisierung auf allen Ebenen von Unit- bis Akzeptanztests, sowie der Aufbau von Continuous-Delivery-Pipelines zählen dabei ebenfalls zu seinen Stärken.

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