Remote Work in VR für Unternehmen

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Remote Work in der Virtuellen Realität für Unternehmen

Remote Work in der Virtuellen Realität für Unternehmen – Originalartikel „No limits when using VR for enterprise“ ins Deutsche übersetzt mit freundlicher Genehmigung von Paul Milligan

VR fängt langsam an, außerhalb des Gaming Sektors und speziell in größeren Unternehmen Fuß zu fassen. Eine neue Art von VR-Unternehmen bietet Plattformen mit grenzenlosem Potenzial an.

Bild: MeetinVR

VR scheint es schon ewig zu geben, und doch gehört es immer noch fest zur Kategorie der „Next Big Things“. Wie bei allen neuen Technologien muss die richtige Kombination aus Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit, Bequemlichkeit und Benutzerfreundlichkeit erreicht werden. Jetzt sind wir aber an diesem Punkt angelangt, sagt Tomas Budrys, Marketingleiter des SaaS-Unternehmens MeetinVR.

2019 war für uns ein Wendepunkt in Bezug auf die Nachfrage. Als drahtlose Headsets auf den Markt kamen (solche, die keinen leistungsstarken PC benötigen), sahen wir ein großes Interesse seitens der Unternehmen, denn plötzlich kosten Endgeräte nur noch 300 € und waren ergonomisch, tragbar, leicht und leistungsstark genug, um Meetings abzuhalten.

Bild: MeetinVR

Parallel zu dieser Entwicklung gibt es auch andere Indikatoren dafür, dass jetzt die Unternehmen verstärkt den Wert von VR-Technologie anerkennen. Zum einen gibt es den Trend, dass HMD (Head-Mounted Display)-Firmen wie HTC und Oculus sich zunehmend auf den Unternehmensmarkt konzentrieren. In einigen Unternehmen wurden VR-Arbeitsplätze eingeführt, die für die Teilnahme ohne HMDs ausgelegt sind. Gleichzeitig konnte man beobachten, dass die Covid-19-Pandemie die Art und Weise, wie Unternehmen den Büroalltag angehen und mit Homeoffice-Regelungen umgehen, radikal verändert hat. Im Gespräch mit einer Reihe von Firmen, die VR-Lösungen für Unternehmen anbieten haben wir erfahren, warum VR weit über die reine Simulation hinausgeht und wie Covid alles verändert hat.

Der naheliegendste Anwendungsfall für VR in Unternehmen ist die Simulation, daran ändert die Situation in 2020 erst einmal nichts. VR funktioniert hervorragend für diesen Sektor. Was sich für die Akzeptanz als bedeutsam erweisen könnte, ist die Nutzung von VR für die Unternehmenskommunikation. Aber wie wahrscheinlich ist das, und welche Hindernisse gibt es noch bei der Einführung?

Wenn es irgendetwas gibt, das Menschen an der Nutzung hindert, dann ist es ihre Komfortzone,

sagt Gabe Paez, CEO und Gründer der immersiven Remote-Collaboration-Plattform The Wild.

Die Leute sind im Moment so aufgerüttelt was ihre jahrelange Arbeitsweise betrifft, dass jetzt meines Erachtens der richtige Zeitpunkt für eine Adoption ist. Der Preisentwicklung ist optimal und die Hardware ist besser denn je.

Bild: Engage

Streaming-Dienste haben jahrelang darauf gewartet haben, dass der Rest von uns begreift, warum Streaming eine gute Idee war. Jetzt sind auch die VR-Lösungsanbieter bereit und warten darauf, dass die Unternehmen aufholen.

Bevor Covid zuschlug, hätte ich gesagt, dass wir ein Schulungs- und Ausbildungsunternehmen sind, jetzt sind wir ein Kommunikationsunternehmen. Covid hat von uns nicht verlangt, dass wir irgendetwas zusätzlich machen, wir haben nur jetzt die Möglichkeit, es an andere Benutzergruppen zu verkaufen

sagt Dave Whelan, CEO von Immersive VR Education, den Entwicklern der Engage-Plattform für VR.

VR-Kollaboration befindet sich bereits mitten in der Umsetzung: eXp Realty ist ein riesiges Immobilienunternehmen mit Sitz in den USA und hat ausschließlich virtuelle Büros. Alle Online-Meetings werden auf der VirBELA-Plattform abgehalten, wobei jeder der 28.000 Mitarbeiter einen eigenen, individuellen Avatar besitzt.

Die derzeitigen Strukturen sind jedoch nicht hilfreich, sagt der kreative Technologe und Gründer von EvoCreate Michel Buchner. Das hält beispielsweise auch den AV-Sektor davon ab, sich zu engagieren. „Die VR-Hersteller wollen alles selbst machen, während die Systemintegratoren eine große Hilfe sein könnten, indem sie die Hauptfragen beantworten und sich um die praktische Umsetzung dieser Systeme kümmern. Jetzt geht es darum, den Kunden diese Möglichkeiten zu demonstrieren, aber die Hersteller haben nicht die Kapazitäten dafür, die Systemintegratoren sind sich dieser Möglichkeiten nicht bewusst und die Softwareanbieter sind es nicht gewohnt, mit Systemintegratoren oder externen Beratern zusammenzuarbeiten.“

Meetings

Eine Sache, bei der VR helfen kann, ist dieses uralte Problem, das durch Covid-19 nur noch verschärft wurde: Ineffiziente und teure Geschäftsreisen reduzieren.

Um die Welt voranzubringen, müssen wir mehr Zeit zum Nachdenken und weniger Zeit zum Reisen aufwenden. Und um die nächste große Idee umzusetzen, brauchen wir mehr Platz zum Denken als ein Laptop- oder Telefonbildschirm bieten kann

sagt Aaron Dence, Produktmanager vom VR-Arbeitsplatz-Startup Spatial. Während Lösungen wie Zoom oder Teams uns alle auch im Jahr 2020 wenigstens irgendwie weiterarbeiten lassen, wächst die Unruhe unter den Nutzern, die sich über „Zoom-Müdigkeit“ beschweren: zu viele langweilige Online-Meetings führen dazu, dass die Nutzer abschalten (körperlich und geistig).

Bild: Spatial

„Wenn man fragt, ob Videokonferenzen die Zukunft der Fernarbeit sein werden, bekommt man einen kollektiven Seufzer von allen, denn wir alle haben sie in den letzten sechs Monaten gelebt“, sagt Craig Kaplan, Chief Customer Officer von VirBELA. „Auch wenn die Unternehmen jetzt auf Zoom und Teams umgestiegen sind, sind sich alle einig, dass etwas fehlt. Ein realer Workshop ist ein ‚leaning in‘-Erlebnis, während Video-Streaming ein ‚leaning back‘-Erlebnis ist“, fügt Buchner hinzu.

Bild: The Wild

VR-Anbieter sind sich dessen nur allzu bewusst und arbeiten aktiv an der Lösung dieser Probleme.

„Wir haben eine Kamera entwickelt, die auf die Unterseite meines Gesichts schaut, um sicherzustellen, dass mein Kinn und mein Mund, wenn ich die Wangen aufblähe, wenn ich lächle, im Avatar nachgeahmt wird. Sie verlieren diesen persönlichen Kontakt nicht, und Sie können dann in diesem Moment sein“, sagt Graham Wheeler, HTC EMEA General Manager.

Wir glauben, dass die Kommunikation mittels VR der nächste Schritt ist, sie ist viel fesselnder als zweidimensionale Kommunikation, aber gleichzeitig mit der Einfachheit und Leichtigkeit einer Videokonferenz

fügt er hinzu. Wheeler sagt, dass der taiwanesische Elektronikgigant davon ausgeht, dass B2B bis Ende 2020 der Wachstumsbereich von VR sein wird: „Die Pandemie veranlasst jetzt mehr Menschen, sich damit auseinanderzusetzen, aber schon vorher haben wir das immer schon vorhergesagt. Wir konzentrieren uns sehr stark auf die Förderung von B2B, weil es dem Gartner Hype Cycle folgt und dort jetzt auf dem ‚Pfad der Erleuchtung‘ ist“.

VR bedeutet für manche vielleicht ein Videospiel oder sogar Apps, für die sie ihr Smartphone in ein rudimentäres Headset verwandeln, um im Weltraum herumlaufen zu können usw. Das ist Teil des Problems, denn VR hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, das die Einführung in Unternehmen behindert. Glücklicherweise wird es immer weniger.

Wir fangen an,  aus dem spielerischen Stadium von Google Cardboard und Achterbahn-Apps herauszukommen.

Ziemlich oft, wenn ich zu Meetings gehe, frage ich: ‚Hast du VR schon mal ausprobiert?‘. Die Leute sagen dann: ‚Ja, ich habe mein Telefon in eine Schachtel gesteckt und mir ist schwindelig geworden'“, sagt Whelan. Sein Rat an die Unternehmen ist im Moment, dass sie anerkennen müssen, dass die Büros in absehbarer Zeit nicht zur Normalität zurückkehren werden und dass VR den Arbeitnehmern helfen kann, sich weniger isoliert zu fühlen. „Es ist großartig für die Kommunikation und soziale Kontakte, kann aber auch für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter in Organisationen und für Verkaufsschulungen genutzt werden. Es ist kein Ersatz für alles. Aber in 80 oder 90 % der Fälle gibt es einen Anwendungsfall für VR, der den Mitarbeitern wirklich nützt: um die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen zu erhöhen oder einfach um bessere Verbindungen zwischen den Menschen herzustellen.

Bild: Virbela

Covid hat unbestreitbar einen großen Schub für VR angestoßen. Dence sagt, dass Spatial bereits vor der Pandemie an 40 % der Fortune-1000-Unternehmen Lösungen verkauft habe, die sie nutzten, um Zeit und Kosten für Geschäftsreisen zu reduzieren. In VR, aber überwiegend auch in AR.

Seit Covid haben wir einen Anstieg der Nutzung um 1.000 % erlebt, und ein Anstieg dieses Interesses kam von KMUs und Verbrauchern, die alle mit Hilfe von VR-Headsets versuchten, in Verbindung, motiviert und produktiv zu bleiben obwohl sie zuhause bleiben mussten.

Einer der interessantesten Aspekte von VR in Unternehmen ist die Fähigkeit neuer Plattformen wie VirBELA, Engage, MeetinVR und The Wild, immersive Umgebungen mit nahezu unbegrenztem Umfang zu schaffen. Es ist möglich, virtuelle Büros zu schaffen, die dem wirklichen Leben sehr nahe kommen, mit Empfangs- und Lobbybereichen, in denen man sich treffen und mit anderen Mitarbeitern oder Kunden sprechen kann. Man kann auch Besprechungsräume schaffen, in denen Leute vorbeischauen können, um die im Raum Anwesenden zu begrüßen, eine Frage zu stellen und dann wieder zu gehen.

Die Zukunft regulärer Arbeitsplätze nach der Pandemie ist vor dem Hintergrund der hohen Produktivität der Heimarbeit, die wir derzeit beobachten stark in Frage gestellt. Das Ersetzen kostspieliger Immobilien durch eine virtuelle, skalierbare VR-Plattform ist daher eine attraktive Alternative.

Veranstaltungen

VR-Plattformen bieten auch eine neue Möglichkeit, Veranstaltungen durchzuführen. Covid hat einen enormen Anstieg der Webinare erzeugt, da die Hersteller neue Produkte oder Schulungsprogramme vorantreiben wollen. Ähnlich wie bei der „Zoom-Müdigkeit“ stellt sich jedoch bereits nach kurzer Zeit eine Ermüdung durch Integratoren/Berater ein. Nicht nur wegen des Umfangs der Webinare, sondern auch wegen der eher veralteten „Tod durch PowerPoint“-Präsentationen. VR kann eine weitaus eindringlichere Webinar-Erfahrung bieten, die Teilnehmer können einen 3D-Blick um das Produkt herum werfen, private Gespräche mit dem Produktmanager oder anderen Teilnehmern führen. Ihr potenzieller Käufer hat kein VR-Headset? Sie können eines per Post verschicken! Wenn die neusten Modelle nur 300 € kosten, wird es Ihr Budget nicht überstrapazieren, ein ganzes Lager von ihnen aufzubauen, um sie für Veranstaltungen zu verschicken.

Während Webinare sich seit der Pandemie auf dem Vormarsch befinden, sind Fachmessen so gut wie verschwunden. Und dies ist ein weiterer Aspekt, bei dem VR etwas Neues und anderes bieten kann. VirBELA und Engage sind zwei Plattformen, die in diesem Jahr das Interesse der Messeveranstalter geweckt haben. Engage wird von Unternehmen genutzt, die ein authentisches Messeerlebnis bieten wollen: Gespräche auf dem Gang abseits der üblichen Korridore, jedoch in einem neuen Format.

„Geschäftsleute gehen zu Veranstaltungen, um Geschäfte anzubahnen oder mit einem Verkäufer an einem Stand zu sprechen, nichts davon war online mit virtuellen Veranstaltungen möglich“, sagt Whelan.

Wir haben Ausstellungshallen, in denen die Leute Stände haben. Man kann sich in der Umgebung bewegen. Da es sich um räumliches 3D-Audio handelt, kann man private Flurgespräche führen, die kein anderer im Saal hören kann. Anschließend besucht man einen Konferenzsaal und sieht sich einen Grundlagenvortrag an. Und Sie können sich zu der Person neben Ihnen beugen und ihr ins Ohr flüstern, ohne die anderen zu stören. Es ist eine echte Konferenzerfahrung

Ein weiterer Aspekt der Durchführung von Veranstaltungen in VR ist, dass man Mittel zur Verfügung hat, die bei einer physischen Veranstaltung undenkbar sind. Whelan nennt das Beispiel einer kürzlichen Veranstaltung für HTC, bei der der CEO die Bühne betrat, flankiert von Kampfjets über ihm, oder eine Präsentation über Covid, bei der die Zuschauer alle Schutzanzüge trugen. Mit VR kann mit ein wenig Fantasie viel erreicht werden, und die Kosten können niedrig gehalten werden. Die Tagesmiete für Kampfjets entfällt.

Die Verwendung von Avataren in VR wird immer wieder als potenzielles Hindernis für die Einführung von VR hervorgehoben. Bisher werden Sie in einer VR-Welt durch eine Art Lego-Figur repräsentiert, und für Leute wie Morgan Stanley oder Pfizer ist das vielleicht nicht das von ihnen geforderte Maß an Professionalität. Aber das ändert sich gerade. Viele Anbieter von VR-Plattformen, mit denen wir gesprochen haben, entwickeln derzeit realistischere Avatare. Spatial und MeetinVR bieten bereits die Möglichkeit, mit Hilfe eines Selfies innerhalb von Sekunden Ihren personalisierten Avatar zu erzeugen. „Wir hören immer und immer wieder, dass die Menschen so weit wie möglich wollen, dass ihr Avatar widerspiegelt, wer sie sind“, fügt Dence hinzu.

Meine Erwartung ist, dass Unternehmen wie Zoom eine VR-Plattform kaufen und dann eine Unternehmenstaugliche Version bestehender Avatarsysteme erstellen

fügt Buchner hinzu.

Für Integratoren und Unternehmen, die Kunden bei der Installation von VR-Plattformen für Kommunikation oder Veranstaltungen beraten wollen, geht es hingegen eher um Vertrauen als um Geld: Gute drahtlose Headsets sind jetzt schon für weniger als 500 Euro erhältlich und es gibt Software-Plattformen wie die Vive XR Suite von HTC, die ausschließlich für Unternehmen entwickelt wurden. VR ist attraktiv, weil es ein unbegrenztes Potenzial bietet und sich leicht und zu sehr geringen Kosten auf die Bedürfnisse jeder Organisation skalieren lässt. Sie müssen die Größe Ihrer Veranstaltung von 10.000 auf 100.000 Personen erhöhen? Mausklick genügt.

VR kann Dinge bieten, die in der realen Welt nicht möglich sind, und sie kann eine fesselndere und immersivere Begegnungserfahrung bieten, nach der eindeutig eine Nachfrage besteht. Der Kampf der aktuell ausgefochten wird, ist ein Kampf um Komfortzonen und Denkweisen. Die Frage ist: Sehen Unternehmen VR als eine ernstzunehmende Technologie an? Es ist eindeutig ein Produkt mit einem Wow-Faktor, wenn es demonstriert wird, also liegt es an den Integratoren und Beratern, es vor den Kunden zu präsentieren, um es als eine produktive, einfallsreiche und immersive Alternative zu Zoom/Teams usw. zu platzieren – wie dieses abschließende Zitat von Buchner unterstreicht:

Testen Sie eine Auswahl verfügbarer Kollaborationssoftware auf einer unmodifizierten Oculus Quest2 und fragen Sie sich, was sie für Ihr Unternehmen leisten kann. Fühlen wir uns nach einem Treffen in VR mit 15 Personen zufriedener als in einem Zoom?

Weitere Informationen

Engage
The Wild
virBELA
meetinVR
HTC Vive XR Suite
Spatial
Glue
Arthur
mozilla hubs
TriCAT

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Christian ist seit mehr als 16 Jahren Produktmanager für Softwareanwendungen aus verschiedenen Branchen und Agilist aus Leidenschaft. Er ist Experte für große Unternehmensstrukturen und komplexe Projekte und Verfechter von Wertschöpfungsgedanken und Customer-First-Attitude. Christian führt unsere Kunden durch das gesamte codecentric-Portfolio, von der Ideengenerierung bis zum Betrieb der fertigen Lösung als partnerschaftlicher Begleiter. Seit 2017 betreut er federführend Mixed Reality Projekte einschließlich der Innovationsprojekte „modulAR“ (2018) und „VR Interaction Room“ (2020).

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